Wenn es Ernst wird, verschwinden die Augen unseres Bundesaußenministers regelmäßig in den Vertiefungen einer faltigen Sorgenmaske. Seine Stimme verliert dann jede Restfülle, wird zum flachen, beinahe schwingungslosen Gekrächze. Maskenhaft und tonarm gibt Joschka Fischer an solchen Tagen den außenpolitischen Großkommunikator - und erklärt nichts. Das wäre vertretbar, handelte er, wie es sein Amt gelegentlich gebietet, aus diplomatischer Umsicht. Das Problem besteht jedoch in der Gedanken- und Prinzipienarmut des Außenministers.Das Paradebeispiel dafür bietet die deutsche Mazedonienpolitik. Vorlaut war es Fischer, der vor einigen Monaten - nach den ersten Terrorattacken der UCK im bis dahin friedlichen Mazedonien - schwadronierte: "Die albanische Frage ist nach wie vor offen." Eine solche Erklärung beinhaltete die unverhoh-lene Aufmunterung für die nationalistischen Freikorps. Sie beinhalteten ferner eine diplomatische Ungeheuerlichkeit gegenüber einem souveränen und befreundeten Staat, wenn man sich nur für eine Sekunde vorstellt, ein deutscher Politiker hätte erklärt: Die baskische, die irische oder die korsische Frage sei offen. In dieselbe Kategorie politischer Trampelhaftigkeit fällt, was dieser Tage die grüne Betriebsnudel Claudia Roth erklärte: In Mazedonien, so gab sie zum Besten, müssten beide Seiten die Waffen abgeben, wohl gemerkt: "beide Seiten". Damit stellte Roth den mazedonische Staat mit den Hochverrätern der UCK auf eine Stufe.So besehen sind die grünen Spitzenpolitiker nicht etwa Gesinnungsruinen, wie vorschnell behauptet wurde. Frei nach dem Motto "Macht kaputt, was euch kaputt macht!" halten Roth und Fischer an ihren grünen Gründungsträumen fest: Wacker bekämpfen sie das Gewaltmonopol eines Staates, und unterstützten die "Propagandisten der Tat", die Bombenleger und Feierabendterroristen. Pünktlich und geplant zum G-8-Gipfel wurden gestern drei Sprengsätze in Skopje gezündet, albanische Untergrundkämpfer entführten drei slawische Mazedonier. Mit all dem soll die Anerkennung der UCK als Verhandlungspartner erreicht werden. Prompt reagierten die Vertreter von EU und NATO im gewünschten Sinne: Sie bezeichneten das prinzipienfeste Verhalten der gewählten mazedonischen Regierung als "unwürdig" und ergriffen damit abermals für die UCK Partei, die von den USA, der EU und dem rot-grünen Deutschland seit Monaten materiell und moralisch gepäppelt werden. Fischer wird wieder die Augen verschwinden lassen und flachstimmig mitteilen: "Es gibt keine Alternative zur Implementierung einer Waffenruhe." Gewiss, aber er ist Teil des Problems, das er zu lösen vorgibt.