Mit Hausmitteln und viel Gespür für Medien avancierte Hademar Bankhofer zum gefragten TV-Doktor: Wie geht's uns denn heute?

Der Dackelgriff ist eine Erfolgsgarantie. Wetterfühligen vertreibt er die Beschwerden, wenn sie sich morgens kräftig die Haut am Nacken ziehen. Auch Hademar Bankhofer ist der Dackelgriff gut bekommen. Er ist mit ihm und anderen Hausmitteln zum selbsternannten "Mister Gesundheit" der Medien geworden. Jeden zweiten Donnerstag ist im ARD-Morgenmagazin Bankhofer-Tag. Im Licht des Kölner Studios glänzen die schlohweißen gescheitelten Haare wie eine Krone aus Zuckerwatte. Zum Jackett in Karamell steckt im hellblauen Hemd stets ein Halstuch. Das lässt ihn aristokratisch aussehen, ist aber nicht der einzige Grund: "Krawatten unterbrechen die Blutzufuhr zum Gehirn", erklärt er. Dass Markenzeichen im Medienbetrieb förderlich sind, wird der Verbundenheit mit dem Halstuch nicht abträglich sein.Gäbe es Barbies Ken in der Seniorenedition, er könnte nach dem Österreicher modelliert sein. "Ich freu' mich", sagt Bankhofer nach der Anmoderation und wartet vor zwei Tellern mit Johannisbeeren, Kirschen, Salat und Möhren auf die erste Frage. Ernährung ist sein Spezialgebiet. Vor über 30 Jahren war Bankhofer noch ein ganz normaler Wurststullenesser. Als Journalist, erst für die Tageszeitung Neues Österreich und dann für den Wiener Samstag, ernährten ihn Stress, eiskalte Getränke und Fast Food. Plötzlich waren sie da, die zehn Nierensteine. "Du krümmst dich auf dem Boden und hältst dich am Teppich fest - solche Schmerzen hast du", sagt Bankhofer.Und so beginnt eine Geschichte, wie sie sich Presseberater nicht besser hätten ausdenken können: Bankhofer lernt den Radrennweltmeister Ferry Dusika kennen, der sich mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Sport beschäftigt. Mit ihm diskutiert Bankhofer Tage und Nächte. Auf einer Radtour ins Burgenland experimentieren die beiden: Einer isst Müsli mit Obst, der andere Weißbrot mit Marmelade, und wer länger durchhält, hat gewonnen. Seit Bankhofer mit der Vollwertvariante selbst den Radprofi abhängen konnte, lebt und predigt er die gesunde Lebensweise: Kaviar ist gut gegen Cellulite, Tannennadeltee macht müde, Lavendel hilft gegen Angst. Hausmittel zu suchen und zu verbreiten, ist seine Leidenschaft.Bankhofer taucht bei den Radiosendern HR 3, WDR 4, WDR 5 und SWR 1 auf, bei anderen öffentlich-rechtlichen Sendern ist er gern gesehener Gast in Talkshows. Er lehrt an der Universität Leipzig und Siegen und schreibt, schreibt, schreibt: insgesamt 42 populärwissenschaftliche Bücher, darunter "Meine erfolgreichsten Fastenkuren" und "Das Glück gesund zu sein". In unzähligen Zeitungen und Zeitschriften hat er den Berufstitel Professor, den er vom Österreichischen Wissenschaftsministerium verliehen bekommen hat, zum Markennamen gemacht.Als Inkarnation eines beschwerdefreien Lebens wäre Bankhofer auch eine ideale Werbefigur. So wollte ein Safthersteller schon sein Konterfei auf das Flaschenetikett drucken. Doch Bankhofer lehnte ab. Auf seiner Homepage heißt es: "Prof. Hademar Bankhofer ist Journalist und stellt als solcher neue Produkte und Forschungsergebnisse vor. Er gibt keine Kaufempfehlungen ab!" Dass sein Bild im Werbebanner eines österreichischen Infrarotgeräteherstellers auftaucht, erklärt er so: "Es ist ein Freund, ich bekomme nichts dafür".Im ARD-Studio des "Morgenmagazins" kann er die Fragen von Moderator Peter Schreiber kaum abwarten. Ein Stichwort genügt und schon entlädt sich eine Wolke aus Gesundheitsweisheiten im charmanten österreichischen Flöt-Ton. Bei "Früchte der Saison" beispielsweise weiß Bankhofer das Problem gleich plastisch zu machen: "Ich erinnere mich, als ich noch jung war, da musste man sich vorbeugen um einen Pfirsich zu essen, weil er so saftig war." Bankhofer verbindet abstrakte medizinische Themen mit seiner Person. Er ist kein Mediziner, sondern Meditainer.Weil "viele Menschen sich ernste Sendungen über Gesundheit nicht angucken würden" bringt er Tipps zur Vorsorge mit Unterhaltung zusammen. Das Prinzip der Medien, komplexe Sachverhalte zu personalisieren, hat Bankhofer in seinen Büchern schon in den 70er-Jahren geschickt verfolgt. Als das Privatfernsehen in Deutschland 1985 erfunden war, baute er auch gleich bei RTL plus mit am Programm. In 150 Sendungen von "Wie geht's?" und 50 Folgen "Gut geht's!" hat er alle Antworten gegeben, die einem zum Thema Gesundheit einfallen. Und weil die niemals unaktuell werden, ist er damit einmal quer durch alle Medien gezogen. Selbst beim einstigen Frauensender TM3 hat "Bankhofer - so bleiben Sie gesund!" Ratschläge gegeben. Die Österreicher kennen Bankhofer seit 1985 als Experten im Studio. Erst bei "Wir vital" und mittlerweile im Vorabendmagazin "Willkommen Österreich".Bei dem telegenen Kräuteronkel, sollen Gesundheitsthemen Spaß machen und keine Angst. Und es wird noch unterhaltsamer: Im November wird Bankhofer in acht Folgen als Quizmaster beim Hessischen Rundfunk zu sehen sein, natürlich mit einem Gesundheitsquiz."Ich werde meine Gesundheitsmission so lange verfolgen, wie ich glaubhaft bin", sagt er und meint: so lange Dackelgriffe und Tannennadeln dafür sorgen, dass er gesund und erfolgreich bleibt.------------------------------"Krawatten unterbrechen die Blutzufuhr zum Gehirn." Hademar Bankhofer über seinen Halstuch-Tick------------------------------Foto: Vom Wurststullenesser zum Gesundheitsapostel: Prof. Hademar Bankhofer.