Eigentlich geht es doch darum, dass man witzig ist. Nicht darum, welches Geschlecht man hat!" Kristen Wiig ist irritiert. Als Comedien gehört sie zum Ensemble der legendären amerikanischen Show "Saturday Night Live", die schon Steve Martin, Eddie Murphy oder Adam Sandler hervorgebracht hat. Nun ist die Komödie "Brautalarm", für die Wiig nicht allein als Hauptdarstellerin vor der Kamera stand, sondern gemeinsam mit ihrer Freundin Annie Mumolo auch das Drehbuch schrieb, aber in den USA der Überraschungshit des Kino-Sommers. Deswegen muss Wiig derzeit am laufenden Band Fragen beantworten zum weiblichen Humor im Allgemeinen und der Situation von weiblichen Comediens in Hollywood im Besonderen. "Dabei habe ich während der Arbeit an dem Film nie darüber nachgedacht, dass es etwas Ungewöhnliches sein könnte, wenn sechs Frauen im Zentrum der Geschichte stehen. Und auf dem Plakat zu sehen sind!", so Wiig.Doch so seltsam sich das anhört: In Sachen Comedy ist genau das etwas Besonderes. An Frauen als Action-Heldinnen hat man sich in Hollywood gewöhnt - zumindest wenn sie so aussehen wie Angelina Jolie. Doch was Komödien angeht, haben Frauen hier bis heute nicht viel zu lachen. Und das, obwohl nicht zuletzt das Fernsehen seit Jahrzehnten beweist, wie gut es sich mit und über Komikerinnen lachen lässt: von "I Love Lucy" über die "Golden Girls" oder "Roseanne" bis hin zu Tina Fey (u.a. "30ies Rock), die genau wie Wiig der "Saturday Nght Live"-Schule entstammt.Auf der Leinwand tut man sich mit humoristischer Gleichberechtigung jedoch schwer. In typischen US-Komödien spielen Frauen als Ehefrauen oder Mütter die zweite oder dritte Geige zum Schenkelklopfer-Konzert ihrer männlichen Kollegen. "Oder sie sind perfekt frisierte, leicht zickige Püppchen à la Jennifer Aniston und Katherine Heigl, die auf der Suche nach entweder dem richtigen Mann oder dem perfekten Kleid sind", sagt Melissa McCarthy, eine vor allem im Fernsehen erfolgreiche Comedien, die in "Brautalarm" ebenfalls mit von der Partie ist. "Ich wünsche mir Frauenfreundschaften statt Zickenkrieg, glaubwürdige Probleme statt Romantikklischees, Fettnäpfchen statt Eitelkeiten. Aber alles, was für die Jungs in Komödien selbstverständlich ist, wird uns vorenthalten."Fragt man McCarthy nach einem Film, der ein ähnliches Frauenbild transportiert wie "Brautalarm", fällt ihr nur "Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?" ein. Doch die Komödie mit Jane Fonda und Lily Tomlin ist mehr als 30 Jahre alt. Kein Wunder, dass die Medien für eher "Hangover" als Vergleich für "Brautalarm" heranzieht und ein "die weibliche Antwort auf..." davor setzt. Doch warum gestattet es Hollywood Männern ganz selbstverständlich, sich wie Riesenbabys aufzuführen, während Frauen schon als mutig gelten, wenn sie nur mal derb daherreden? Allein am eingeschränkten Horizont männlicher Drehbuchautoren kann es nicht liegen. Eine Rolle spielt hier wohl der Glamour, den die Traumfabrik mitsamt der Medien ihren Leading Ladies verschreibt: Auch den Star von heute soll ein Hauch von Makellosigkeit umwehen. Wer als Frau Hollywood-Hauptrollen spielen will, muss auch für Magazin-Cover und Parfüm-Werbung taugen. Missgeschicke, Peinlichkeiten und Exzesse sind da eher abträglich, auch wenn sie nur auf der Leinwand stattfinden.Vor allem aber haben Produzenten und Studios selbst nach Erfolgsfilmen wie "Sex and the City" oder "Der Teufel trägt Prada" beim Planen ihrer Projekte eigentlich nur eine Zielgruppe im Kopf: Männer zwischen 15 und 45 Jahren. Das gilt nicht nur für Action-Filme, sondern auch für Komödien und für die Besetzung von Frauenrollen genauso wie für Männerparts. Und so sollten weibliche Filmfiguren besser sexy sein als lustig - schließlich ist es zweitrangig, ob Mädchen sich mit ihnen identifizieren können, solange die Jungs mit ihnen ins Bett wollen! Dass das eine das andere nicht ausschließt, übersteigt in den meisten Fällen die an Sequels und Remakes geschulte Vorstellungskraft der Studio-Verantwortlichen.Jetzt zeichnet sich aber eine Trendwende ab, wenn auch nicht aus hehren Gründen. Melissa McCarthy formuliert es treffend: "In Hollywood hechelt man nur dem Geld hinterher, so einfach ist das." Da "Brautalarm" und "Bad Teacher" allein in den USA zusammengenommen bereits über 250 Millionen Dollar eingespielt haben - von denen ein Großteil auch aus männlichen Geldbeuteln stammten -, dürfte sich für Komikerinnen demnächst eine Fülle an Projekten auftun. Das "Brautalarm"-Team kann schon jetzt ein Lied davon singen. McCarthy übernimmt eine Rolle im neuen Film von Judd Apatow und hat zwei eigene Drehbuchideen an den Mann gebracht, während Wiig ihr lang gehegtes Traumprojekt "Imogene" auf den Weg bringen konnte.Hier geht es um eine Frau, die durch einen vorgetäuschten Selbstmord ihren Ex zurückerobern will. Die Aktion geht nach hinten los. so dass Imogene mit ihrer spielsüchtigen Mutter leben muss. Eine gute Komödie über Mütter und Töchter? Her damit!------------------------------Foto: Wirft gerade ein scharfes Auge auf ihren Sitznachbarn: Megan (Melissa McCarthy).Foto: Benimmt sich unterm Einfluss flugangstbetäubender Drogen schrecklich daneben: Annie (Kristen Wiig).