Nach langem Warten ist Steffen Schöne glücklich. "Endlich hat sich die Politik durchgerungen und steht zu unserem Stadion", sagte er am Freitag. Mit "unserem Stadion" meint er die Alte Försterei in der Wuhlheide, die Heimat des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union. Steffen Schöne, 65, ist einer von zigtausenden "Eisernen", wie die Fans des Vereins genannt werden. Sie alle setzen große Hoffnungen in eine knappe Erklärung, die in dieser Woche von der Senatssportverwaltung, vom Bezirk Treptow-Köpenick und vom Verein unterzeichnet wurde. Ihr Inhalt: Jeder tut etwas, damit in der Alten Försterei weiter Profifußball gespielt werden kann.Der Bezirk als Eigentümer des Stadions saniert die Stehplatzränge sowie die Auf- und Abgänge und schafft ein Schleusensystem zur Trennung der Fans von Heim- und Gastmannschaft. In die Stehränge werden quer gestellte Geländer gesetzt, sogenannte Wellenbrecher. Sie sollen verhindern, dass bei Panik zu viele Menschen in eine Richtung laufen. Der Senat bezahlt den Einbau einer Rasenheizung, die für die 2. Bundesliga Vorschrift ist. Und der 1. FC Union verhandelt mit dem Liegenschaftsfonds über einen Erbbaupachtvertrag und modernisiert das Stadion dann mit Hilfe von Investoren. Etwas steht nicht in der Erklärung: Die rund 600 000 Euro, die die Rasenheizung kostet, werden dem 1. FC Union nicht etwa geschenkt. Der Verein zahlt den daraus resultierenden Wertzuwachs über einen höheren Pachtzins zurück. Begonnen werden soll mit den Bauarbeiten im Sommer.Wer jetzt konkret was macht, das ist Steffen Schöne egal. Hauptsache, es wird was gemacht, sagt er. Denn die Alte Försterei ist derzeit weder für die neue 3. Profiliga noch für die 2. Bundesliga tauglich. Die Zuschauer stehen noch immer auf jenen Tribünen, die vor 30 Jahren entstanden. Damals kamen zu den bis dahin zehn Stehreihen 26 weitere hinzu. Viele Fans, auch Steffen Schöne, haben daran mitgebaut. "Lkw karrten Bauschutt heran, der über Förderbänder zum Hügel transportiert wurde", erzählt Schöne. Auf dem Schutt verteilten die Helfer Sand, den sie mit Plastikkübeln heranschleppten. In den Hügel wurden schließlich reihenweise Begrenzungssteine gesetzt, so dass die terrassenförmigen Tribünen entstanden. Anfang der 80er-Jahre wurden die übrigen Stehtribünen auf ähnliche Weise vergrößert. Viele Begrenzungssteine sind heute krumm und schief.Die "Eisernen" lieben ihre Alte Försterei - eben auch, weil sie dort stets mitgearbeitet haben. Auch der Graben für die Tonanlage, über die Nina Hagens "Eisern Union!" bei Heimspielen durch die Wuhlheide schallt, wurde von Fans gebuddelt. Und als vor acht Jahren die Bänke auf der Sitztribüne durch ausgemusterte Plastiksitze aus dem Olympiastadion ersetzt wurden, schweißten Fans die Metallschienen zusammen.Sogar die Spieler leisteten Arbeitseinsätze im Stadion. Karsten Heine, der 20 Jahre lang als Spieler und Trainer bei Union war, erinnert sich: "Wir haben regelmäßig Geländer gestrichen und den Rasen gesprengt, das gehörte zur Union-Gemeinde dazu." Zur Union-Gemeinde zählen neben dem heutigen Hertha-Nachwuchstrainer Heine noch andere bundesweit bekannte Fußballer: Hans Meyer, Frank Pagelsdorf, Marko Rehmer, Sergej Barbarez, Erwin Skela, Steffen Baumgart...Die Alte Försterei ist für die Unioner so etwas wie eine gemeinsame Identität. Zu DDR-Zeiten war es der Ruf des Vereins, der sie einte: Union galt als proletarisches Gegenstück zum BFC Dynamo. Nach der Wende retteten die Fans den Klub mehrmals vor der Pleite - sie sammelten Geld und machten mit Aktionen den künftigen Großsponsor auf sich aufmerksam. Und auch jenseits des Fußballs trifft man sich im Stadion: Zum letzten Weihnachtssingen kamen 3 000 Fans.Die Alte Försterei ist Berlins einziges großes Fußballstadion. Es gibt keine Laufbahn, die Zuschauer sind ganz nah dran am Spiel. Das faszinierte auch Alexander Cierpka. Der heute 26-Jährige kommt seit 1999 in die Alte Försterei. Ihm gefällt die, wie er sagt, "ehrliche Atmosphäre" dort, ohne überflüssigen Schnickschnack: "Es gibt keine endlose Werbung, keine Cheerleader und keine albernen Spielchen." In seiner "Prenzlauer Allee Fraktion", einer Art Fanklub, sind Mitglieder aus Berlin, Gera und Pforzheim. Auch sie haben schon im Stadion gearbeitet. Mehrfach räumten sie vor Spiel en Schnee vom Rasen.Die Entscheidung der Politik Pro Alte Försterei hat bei allen "Eisernen" Erleichterung ausgelöst. Im Senat meinte man nämlich lange, Union könne auch gut im Olympiastadion oder im Jahn-Sportpark spielen. Karsten Heine dazu: "Die Alte Försterei gehört zu Union, das hat nichts mit Ostalgie zu tun." Einen derart verwurzelten Verein könne man nicht einfach verpflanzen.17 Millionen will der Verein in die Modernisierung des Stadions stecken, das meiste Geld kommt von Investoren. Die Tribünen erhalten ein Dach, von den 23 000 Plätzen bleiben die meisten Stehplätze. Einziger Neubau soll das Hauptgebäude sein. Alles ohne Schnickschnack, wie bei Union üblich.------------------------------"Die Alte Försterei gehört zu Union, das hat nichts mit Ostalgie zu tun." Karsten Heine, Ex-Unioner------------------------------Foto: 1.-FC-Union-Fan Steffen Schöne ist froh, dass die "Eisernen" auch künftig in der Wuhlheide spielen. Die Stadiontribünen hat er mitgebaut.