BERLIN. Ein riskanter Start: Ausgerechnet als im Jahr 2000 weltweit die Börsenkurse in den Keller rutschten, gründete Henrike von Platen mit zwölf weiteren Frauen den Investmentclub Hexensabbat, um gemeinschaftlich am Aktienmarkt anzulegen. Innerhalb von eineinhalb Jahren sank der Wert ihres gemeinsamen Vermögens um die Hälfte. Doch die Frauen ließen sich nicht erschüttern und wurden für ihr Durchhaltevermögen belohnt: Im vergangenen Jahr erzielte der Club für die angelegten Gelder seiner 30 weiblichen Mitglieder wieder beachtliche Renditen.Die Banken blockierenEinen Investmentclub kann jeder gründen, es bedarf nur eines einfachen Vertrages zwischen den Mitgliedern. Sie treffen sich in geselliger Runde, tauschen Börsenwissen aus und legen das eingebrachte Geld in Wertpapieren an - wenn man sie denn lässt: Denn während die Banken sonst um jeden Kunden werben, sind ihnen die Investmentclubs eher lästig: Reihenweise kündigen sie derzeit die Konten der Anlegergesellschaften. Laut Deutscher Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sind deutschlandweit rund die Hälfte der 7 000 Investmentclubs betroffen. Auch Henrike von Platen und ihre Mitstreiterinnen mussten kurzfristig im Juni ihr Club-Konto räumen und eine Alternative suchen."Die Gemeinschaftsdepots bringen den Banken wenig Gewinn und sind als Firmenkonten aufwändig zu verwalten", sagt ein DSW-Sprecher. Der Interessenverband konnte kürzlich mit dem Sparkassen-Broker einen neuen Anbieter für Clubkonten gewinnen. Für Henrike von Platen zu spät. "Davon haben wir erst aus der Zeitung erfahren", berichtet die Clubchefin. Sie hat bereits eine eigene Lösung gefunden. Nach Rücksprache mit einem Rechtsanwalt entschied sich die Vorsitzende für ein Treuhandkonto. Gegenüber dem Geldinstitut handelt jetzt nur noch sie selbst - als die von allen Mitgliedern beauftragte Treuhänderin. Auch die Bank hat etwas davon: Sie muss nicht mehr jedes Clubmitglied individuell beraten und separate Unterlagen führen. Die Anlageentscheidungen werden aber nach wie vor gemeinschaftlich getroffen.Henrike von Platens Club heißt doppeldeutig "Hexensabbat" - einerseits bezeichnet man damit im Fachjargon spezielle Börsentage im Jahr, an denen Termingeschäfte auslaufen, was in der Regel zu besonders hohen Kursschwankungen führt. Andererseits ist der Hexensabbat eine Bezeichnung für rituelle Treffen an geheimen Orten. Die Investorinnen kommt zweimal im Monat in Berlin-Charlottenburg zusammen. Dann besprechen sie die Performance ihres Depots und mögliche künftige Finanzanlagen. An den Tagen dazwischen tauschen sie sich in Internetforen über Marktanalysen und Kaufideen aus. Das Ganze macht ihnen Spaß - und ist zudem lukrativ.Keine Angst vor dem BörsencrashDie "Hexen" investieren ausschließlich in Aktien, auch in spekulative Werte. Vor einem neuen Börsencrash haben sie keine Angst. "Wir haben automatische Verkaufsorder eingerichtet, die sich bei bestimmten Verlusten aktivieren", sagt von Platen. Zudem gebe es auch im Abschwung einzelne Aktien und bestimmte Branchen, die im Wert stiegen. Die Mitglieder des Clubs haben sich auf unterschiedliche Nischen spezialisiert.Über Kauf und Verkauf entscheiden die Frauen mit der einfachen Mehrheit. "Wer bei den Treffen nicht anwesend ist, hat seine Stimme meist einem anderen Mitglied in die Tasche gesteckt", sagt von Platen. Einen Kontrollverlust fürchten die Frauen des Hexensabbat-Clubs durch die Treuhänder-Lösung nicht. "Die Mitglieder vertrauen mir", sagt von Platen.Ein Clubdepot beim Sparkassen-Broker hingegen ist für die Investorinnen ohnehin nicht attraktiv. Weil strengere Kontrollen der Bundesanstalt für Finanzaufsicht drohen, ist das Angebot auf 50 Clubmitglieder und 500 000 Euro Vermögen beschränkt. Beide Grenzen möchte der Hexensabbat Club allerdings möglichst bald überschreiten. Dabei ist fast alles erlaubt, außer männliche Mitglieder. "Es gab kurz nach unserer Gründung mal einen Anwärter", sagt Henrike von Platen, "er war allerdings das Paradebeispiel eines Besserwissers - wir haben dankend abgelehnt".------------------------------Foto: Henrike von Platen (r.) diskutiert die nächsten Anlageentscheidungen.