BERLIN. Weil Politik zum Anfassen wohl immer ein Wunsch bleiben muss, kommen Bundestagsabgeordnete jetzt wenigstens zu politikinteressierten Teenagern nach Hause. Möglich macht es das neugestaltete Jugendportal des Bundestages im Internet, mitmischen.de. Wenige Klicks am heimischen Computer genügen, um mit Abgeordneten jeglicher Partei-Couleur über Politik debattieren zu können. Doch bei der Politik soll es nicht bleiben. "Es soll menscheln", sagt Sabine Bätzing. Die SPD-Politikerin schreibt deshalb in ihrem Tagebuch auch über Privates. Die vier tagebuchführenden Kollegen aus den anderen Bundestagsfraktionen halten es ähnlich. "Damit wollen wir die jungen Menschen wieder für Politik und für den Bundestag interessieren", sagt etwa Miriam Gruß (FDP).Die fünf Autoren sind der Kern einer Hundertschaft von Abgeordneten, die über Parteigrenzen hinweg in die mitmischen-Fraktion eingetreten sind. Unter ihnen befinden sich auch Politik-Größen wie Ruprecht Polenz (CDU), Sebastian Edathy (SPD) oder Petra Pau (Die Linke). Sie beteiligen sich mit Beiträgen zu aktuellen Themen aus ihrem Fachgebiet und beantworten einmal im Monat in einem Expertenchat die Fragen der Jugendlichen. Darauf ist die Projektkoordinatorin Nathalie Hillmanns-Weis besonders stolz. "Das ist unser Trumpf gegenüber dem Jugendportal der Bundesregierung", sagt sie. Unter ihrer Leitung erstellt ein dreiköpfiges Redaktionsteam Beiträge mit Hintergrundinformationen zu aktuellen Themen und zum Bundestag, damit die Jugendlichen den Abgeordneten möglichst auf Augenhöhe begegnen können. Die Beiträge sind verständlich aufbereitet und überzeugen durch eine einfache aber ernsthafte Sprache.Das Konzept gibt den Machern recht. Rund 6 500 Teilnehmer haben sich in den letzten drei Jahren registriert, 400 000 Mal werden die Seiten im Monat angeklickt."Natürlich erreichen wir mit dem Angebot vor allem Jugendliche, die ohnehin an der Politik interessiert sind", sagt Sabine Bätzing. "Aber wenn sich mal jemand per Zufall hierher verirrt, dann will ich auch die Person für die Politik begeistern." Dass Bätzing ihre Aufgabe ernst nimmt, bestätigt ein Blick auf die Website. Jede Frage beantwortet sie ausführlich. Jugendliche, die sich in ihrer Schule wegen ihrer Freude an der Politik als Außenseiter fühlen, motiviert sie und gibt Tipps zum Einstieg in die Politik. "Ungefähr zweimal pro Woche nehme ich mir die Zeit um alle Fragen zu beantworten", sagt Bätzing, denn die sind anspruchsvoll.Für die nächsten Debatten schlagen die Jugendlichen die Themen Klimaerwärmung, schleichende Islamisierung, Förderung des Schulsports, und Preisbildung durch staatliche Eingriffe vor. Die Fragen dürften so schnell nicht ausgehen, die Antworten hoffentlich auch nicht.------------------------------Foto: Jeden Monat ein Schwerpunktthema auf mitmischen.de: Im August war es Afrika.