Im Grunde kann man bei Märchenverfilmungen nicht viel falsch machen. Gerade die Klassiker der Brüder Grimm sind schon seit Generationen Selbstläufer. Entsprechend groß war der Erfolg, den die ARD im vergangenen Jahr mit ihrer Märchenstaffel "Sechs auf einen Streich" hatte. An der Fortsetzung beteiligten sich gleich acht ARD-Sender. Sabine Preuschhof, Leiterin der RBB-Abteilung Familie, Bildung und Wissenschaft, wurde die Federführung übertragen. Ähnlich wie beim Gemeinschaftsprojekt "Tatort" sind zwar unterschiedliche Handschriften erlaubt, doch eine gewisse Grundähnlichkeit musste gewährleistet sein. Die Geschichten durften zwar moderat modernisiert werden, sollten weniger grausam sein und keinesfalls düster enden, aber natürlich trotzdem dem Geist der Brüder Grimm treu bleiben.All das ist gelungen und noch viel mehr: Das Durchschnittsniveau der Reihe, die die ARD als Doppeltrilogie an den Weihnachtsfeiertagen sowie am 2. Januar zeigt, ist außerordentlich hoch. Doch während sich Klassiker wie "Schneewittchen" und "Dornröschen" eng an die Vorlagen halten, werden einige der Märchen geschickt weitergesponnen. Im besten Fall gelingt es Buch und Regie dabei, die Geschichten doppelbödig zu erzählen: Die Kinder erfreuen sich an der wahlweise lustigen oder gruseligen Handlung, die Eltern bekommen kleine ironische Belohnungen.Bei "Rumpelstilzchen" muss man allerdings genau hinschauen. In einer Szene zeigt der König seinem Sohn die Porträts diverser Prinzessinnen im heiratsfähigen Alter, doch der Prinz lehnt sie alle ab. Dabei handelt es sich ausschließlich um Berühmtheiten: Botticellis Venus, die Mona Lisa und Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring.Auch "Der gestiefelte Kater" ist durchaus sehenswert, allein schon wegen Roman Knizka, der die Darbietungen des prachtvoll gewandeten Titelhelden immer wieder durch feine ironische Nuancen bricht.Auf die beiden besten Filme aber muss man noch einige Tage warten: "Die Bremer Stadtmusikanten" ist mindestens so sehr Romanze wie Abenteuer, weil Autor David Ungureit das Märchen keck um eine Liebesgeschichte erweitert hat; das wird die Mütter freuen. Die Väter wiederum werden sich vor allem über Harald Schmidt amüsieren, der den altersschwachen Gockel als Lustgreis spielt. Ganz und gar Romanze ist hingegen "Die kluge Bauerntochter"; Anna Maria Mühe spielt die Titelheldin, die jedes Rätsel löst und auf alle Fragen eine Antwort hat, ganz wunderbar.Ohnehin sind die Filme ausnahmslos fast verschwenderisch besetzt; selbst für kleine Rollen sind populäre Schauspieler engagiert worden. Die Sorge, dieser Punkt könne angesichts des Budgets von jeweils rund einer Million Euro heikel werden, erwies sich als unbegründet, sagt Preuschhof: "Fast alle haben auf Anhieb zugesagt. 'Märchen wollte ich immer schon machen', hieß es immer wieder."1. Weihnachtsfeiertag: Schneewittchen (14.45 Uhr); Rapunzel (15.45 Uhr); Der gestiefelte Kater (16.45 Uhr)2. Weihnachtsfeiertag: Dornröschen (14.45 Uhr); Die Gänsemagd (15.45 Uhr); Rumpelstilzchen (16.45 Uhr)2. Januar: Die Bremer Stadtmusikanten (15.30 Uhr); Die kluge Bauerntochter (16.30 Uhr)------------------------------Foto: Dann mal frisch losgesponnen, schöne Müllerstochter.