Der moderne Mann trägt eine Handtasche. Daran besteht überhaupt kein Zweifel - zumindest für moderne Großstadtmänner nicht. Wenn man mit diesbezüglich geschärftem Blick durch die Innenstädte von Berlin, London, Paris oder Mailand läuft, kann man feststellen, dass jeder Mann, der etwas auf sich hält, eine Tasche mit sich führt. Es ist heute sogar so, dass ein echter Trendsetter eine Tasche tragen muss, ob er sie braucht oder nicht, während modische Avantgardistinnen, wie etwa die französische Vogue-Chefin Carine Roitfeld, sagen: "Ich hasse Handtaschen." Hartnäckig wird behauptet, die Zeit der It-Bags für die Dame hätte ihren Höhepunkt überschritten. Eine mir bekannte Modeschaffende ist unlängst auf einem Event sogar mit Plastikbeutel erschienen - aus Protest gegen den Luxushandtaschenkult.Bei den Männern verhalten sich die Dinge grundsätzlich anders. Männliche It-Bags im eigentlichen Sinne gab es nie, dafür ist der Trend zur Tasche ohne Frage ungebrochen. Es war ein langer Weg, bis sich die Tasche für den Mann durchgesetzt hat. Wir überspringen wegen allzu großer Hässlichkeit die Gürteltaschen, die wie mittelalterliche Schamkapseln noch immer vor dem Schritt einiger Herren hängen. Die ersten ernst zu nehmenden Taschen für Männer waren Rucksäcke, die ein city-taugliches Design bekamen; dann wurde das Angebot um eine Art Kuriertasche erweitert, die man sich schräg über die Brust hängen konnte. Es gab und gibt natürlich Laptop-Taschen, die in ihren schickeren Varianten aus besonders feinem Leder und in ihren Formen etwas weicher als die alte Aktentasche sind. Ein anderes Phänomen sind Stoffbeutel, wie sie besonders gerne von coolen Jungs in Mitte spazieren geführt werden. Viele dieser Jungs legen ihre Stoffbeutel aber auch mit über dreißig noch nicht ab, und dann wirken sie plötzlich genauso affig wie die Herrenhandgelenktaschenträger, die in den Siebzigern des 20. Jahrhunderts aufkamen, als die Hosen so eng wurden, dass Mann Schlüssel und Brieftasche beim besten Willen nicht mehr reinstopfen konnte. Die Herrenhandgelenktasche, auch Detlef oder Tuntenschleuder genannt, war klein und wurde mit Hilfe einer Schlaufe am Handgelenk getragen.Keine der Handtaschen, die uns das neue Jahrtausend gebracht hat, hat vordergründig etwas mit dem Detlef zu tun, auch wenn er das Bild vom Mann mit Tasche bis heute prägt - zu Unrecht. Erstens: Heute tragen keine Herren mehr, sondern Männer Taschen. Zweitens: Die aktuelle Tasche für Männer hat eine gewisse Größe und strahlt damit per se mehr Maskulinität aus. Die Männertasche darf nicht zu der Annahme verleiten, sie werde zum Transport von Puder und Kamm benötigt; sie verschafft ihrem Träger eher Gewicht. Die modischste Variante der Herrentasche ist eine große Henkeltasche, die mehr oder weniger auf allen großen Designerschauen von smarten Models über die Laufstege getragen wurde. In diese Taschen passt sowohl ein Laptop als auch das Sportzeug. Der Mann, der sie trägt, könnte zur Arbeit gehen, zum Fitness-Studio oder auf dem Weg zu einem Kurztrip sein. Man weiß nicht so genau, was der Kerl da mit sich rumträgt - und das ist gut so. Die Tasche trägt ein Geheimnis in sich.Reiz und Risiko der aktuellen Handtasche liegen daran, dass sie am Henkel getragen wird. Wenn Mann ehrlich ist, ist nur ihre Größe praktisch, ihre Handhabung jedoch nicht. Wie viel einfacher wäre es, diese großen Taschen mit einem Riemen über der Schulter zu tragen. So haben sich das die Designer aber nicht gedacht. Es gibt keine Riemen. Wirklich chic ist es nur, wenn der Mann die Tasche in einer Hand trägt. Und damit schließt sich dann auf ganz unerwartete Weise plötzlich ein Kreis, nämlich der zur Herrenhandgelenktasche.------------------------------Foto: Meine Yacht legt gleich ab: zwei Tragevorschläge für den Mann von Gant.

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