Die Polizei in Hamburg sucht weiter nach Hinweisen zum Brandanschlag auf die "Hamburger Morgenpost". "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine neuen Erkenntnisse über die Hintergründe der Tat", sagte ein Sprecher am Montagmorgen. Auch zu den zwei festgenommenen Männern machten die Beamten keine Angaben.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag nach Erkenntnissen der Polizei von einem Hinterhof aus mehrere Steine und mindestens einen Brandsatz in das Archiv der Boulevardzeitung geworfen. Bisher hat sich niemand zu dem Brandanschlag auf die Hamburger Morgenpost in der Nacht zum Sonntag bekannt. Damit ist auch noch offen, ob die Tat in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen aus der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo steht.

Die Boulevard-Zeitung hatte, ähnlich wie viele andere Medien in Deutschland – darunter auch die Berliner Zeitung – die Karikaturen nach dem Pariser Attentat aus Solidarität mit den Kollegen von Charlie Hebdo nachgedruckt. Unter der Schlagzeile „So viel Freiheit muss sein“ waren drei Zeichnungen des französischen Satireblatts auf der Titelseite abgebildet. Die Hamburger Morgenpost gehört, wie die Berliner Zeitung, zur Mediengruppe M. DuMont Schauberg.

Die Täter in Hamburg hatten versucht, in einen Teil des Gebäudes einzudringen, der allerdings nicht zur Morgenpost gehört. Entsprechende Spuren wurden an einer Tür gefunden. Anschließend zerschlugen sie ein Fenster und warfen mehrere Steine und einen Brandsatz in den Keller der Redaktion, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Mehrere Akten im Archiv gerieten in Brand, die Feuerwehr konnte aber ein Ausbreiten der Flammen auf weitere Räume verhindern. Bei dem Anschlag wurden keine Menschen verletzt.

Die beiden festgenommenen Männer – 35 und 39 Jahre alt – hatten sich nach Angaben der Polizei in der Nähe des Verlagsgebäudes aufgehalten und waren vor der Polizei weggerannt, viel mehr war zunächst nicht bekannt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Der Chefredakteur der Morgenpost, Frank Niggemeier, wollte nicht über mögliche Motive für den Brandanschlag spekulieren und erklärte: „Wir sind schockiert über den Brandanschlag auf unser Verlagshaus. Dass so etwas in einer weltoffenen und liberalen Stadt wie Hamburg passiert, erschüttert uns. Zum Glück befand sich zum Zeitpunkt des Feuers in der Nacht zu Sonntag niemand mehr im Gebäude. Inwieweit der Anschlag mit der Berichterstattung der Hamburger Morgenpost zusammenhängt, müssen jetzt die Ermittlungen der Polizei klären.“

Die Landespressekonferenz verurteilte den Anschlag als „feigen und hinterhältigen Terrorakt gegen die Pressefreiheit“. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Michael Neumann (beide SPD) besuchten die Belegschaft am Sonntag und boten jede Form von Hilfe an, die nötig sei. Jeder Angriff auf die Pressefreiheit sei unabhängig von fragwürdigen Motiven ein Angriff auf die Demokratie, sagte Scholz. Die Redaktion bedankte sich für viele Solidaritätsbekundungen auch aus anderen Ländern in den sozialen Netzwerken.

Nach dem Anschlag auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins mit zwölf Toten sahen deutsche Sicherheitskreise zunächst keine Anhaltspunkte für eine erhöhte Terrorgefahr in der Bundesrepublik. So gebe es keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Deutschland, hieß es; die abstrakte Terrorgefahr sei aber unverändert hoch.

Wie ernst diese Gefahr tatsächlich genommen wird, lässt sich aber schon daran erkennen, dass seit der Veröffentlichung der islamkritischen Karikaturen mehrere Medienhäuser in Deutschland Polizeischutz haben. Nicht nur in Berlin stehen seit Tagen Polizeiautos vor den Zeitungsredaktionen.