Wenige hundert Meter vom Petriplatz entfernt gewinnt ein folgenreiches Straßenbauvorhaben an Tempo. Nach den diesjährigen Sommerferien wird der Senat den Bebauungsplan für den Umbau des Molkenmarkts beschließen, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestern mit. In den Jahren 2013 und 2014 soll der Platz, der zur wichtigsten innerstädtischen Ost-West-Achse gehört, radikal umgebaut werden - zu Lasten des Durchgangsverkehrs zwischen dem Alexander- und dem Potsdamer Platz. Die Unterbrechung der Verkehrsschneise, die zu DDR-Zeiten im Zeichen der autogerechten Stadt entstand, soll den Startschuss zur städtebaulichen Neugestaltung dieses Teils der Berliner Innenstadt geben.Zickzack statt geradeausDas umstrittene Projekt hatte sich immer wieder verzögert. Doch das Motto der Senatsplaner blieb in all den Jahren gleich: Aus eins mach' zwei. Momentan erstreckt sich zwischen dem Roten Rathaus und dem Alten Stadthaus eine Kreuzung, nach dem Umbau wird es dort zwei Knotenpunkte geben. Heute können Autofahrer von der Grunerstraße geradeaus in den Mühlendamm fahren (und umgekehrt), in Zukunft müssen sie zweimal abbiegen - erst nach links, dann nach rechts. Außerdem wird Platz für die Straßenbahn abgezweigt, die später einmal zum Potsdamer Platz führen soll.Die Christdemokraten bekräftigten gestern im Ausschuss für Stadtentwicklung, dass sie den Umbau des Molkenmarkts für Unsinn halten. "Natürlich ist es nicht schön, was zu DDR-Zeiten in diesem Bereich entstanden ist", sagte Oliver Friederici, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. "Aber wir haben dort eine leistungsfähige Ost-West-Straße, die erhalten bleiben muss." Auch die Gesellschaft Historisches Berlin lehnte den Rückbau der Verkehrsachse Leipziger Straße - Grunerstraße ab. Staus wären die Folge, mehr Lärm und Abgase ließen die Aufenthaltsqualität in der historischen Mitte sinken.Der CDU-Antrag, den Umbau zu stoppen, scheiterte im Ausschuss jedoch an den Nein-Stimmen der SPD, der Linken und der Grünen. Ziel müsse es sein, den Durchgangsverkehr in der Innenstadt zu verringern, sagte Christian Gaebler (SPD). Der Autoverkehr im Zentrum sei bereits gesunken, er werde weiter abnehmen, so Jutta Matuschek (Linke). Forderungen der Grünen, den Platz für die Autos stärker einzuschränken, erteilte die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) allerdings eine Absage. Der Verkehr in der Innenstadt soll nicht durch Stau und "Schikanen" verringert werden. (pn.)