Jedes Jahr zwischen dem 20. Juli und dem 19. August gibt es ein "kosmisches Feuerwerk". Wer in den Stunden nach Mitternacht in Muße das Firmament betrachtet, kann von Zeit zu Zeit ein leuchtendes Gebilde erspähen.Besonders viele "Leuchtraketen" sind in den Nächten zwischen dem 10. und 13. August zu sehen - mitunter bis zu 70 Erscheinungen je Stunde. Im Volksmund werden diese Leuchterscheinungen als Sternschnuppen bezeichnet, der Fachmann nennt sie Meteore.Verlängert man die Leuchtspuren in Gedanken nach rückwärts, so schneiden sie sich alle in einem kleinen Gebiet im nördlichen Teil des Sternbildes Perseus, dem sogenannten Radianten. Die August-Meteore haben deshalb noch einen dritten Namen: Perseiden.Früher waren die Perseiden auch als die "Tränen des Laurentius" bekannt. Damit wird auf den Erzdiakon des Papstes Sixtus II. Laurentius angespielt, der im 3. Jahrhundert lebte und nach der Legende im Jahre 258 in Rom auf einem Rost zu Tode gefoltert wurde. Ab dem 4. Jahrhundert entstand daraufhin in Italien (später auch in Frankreich) ein Kultfest, das am 10. August zu Ehren des Märtyrers begangen wurde. Da um diese Zeit gerade besonders viele Sternschnuppen des Perseidenstromes zu sehen sind, wurden diese eben als die "Tränen des Laurentius" - in anderen Versionen auch als seine "Schweißperlen" - interpretiert. Es war im Grunde die Neugierde und der Wille der Gelehrten, aus jeder Erscheinung am Himmel doch eine wenigstens aus ihrer Logik und Kenntnis heraus passende Erklärung abzuleiten. Ähnliches trifft auf die viel ältere babylonische und die dann folgende griechische Astronomie zu. Auch damals waren die Sternschnuppen des Augusts bereits bekannt und man wußte auch, daß sie aus dem heute sogenannten Sternbild Perseus zu kommen scheinen. Bei den Babyloniern ist von einem Stern die Rede, den sie kabbab Nassrapu nannten, was soviel wie "Stern der Feuerschmelze" bedeutet. Diese "funkensprühende Metallquelle" am Himmel war zweifelsfrei der Radiant der Perseiden.In der griechischen Mythologie wird der Held Perseus zu einem "Seriphier", dessen Leben sich zum Teil auf der Schmelzhütteninsel Seriphos abspielte. Auch dies ist ein Hinweis auf die Perseiden.Die moderne Astronomie lehrt, daß Sternschnuppen Leuchterscheinungen sind, die in großen Höhen der irdischen Atmosphäre entstehen. Partikel - Mikrometeorite - dringen mit hohen Geschwindigkeiten in die Erdatmospäre ein, wo sie verglühen. Was einem allerdings im Vergleich zu den Sternen verhältnismäßig groß erscheint, ist nur winzig klein. Die Durchmesser der Teilchen liegen zwischen Erbsen- und Stecknadelkopfgröße! In rund 100 Kilometer Höhe entstehen die Leuchtphänomene, bei dem das sie auslösende Teilchen sein Leben aushaucht.Wie kommt es nun, daß stets zur selben Zeit im Kalenderjahr so viele Meteore zu sehen sind? Periodisch wiederkehrende Sternschnuppenströme wie die Perseiden sind Auflösungsprodukte von Kometen - jenen Kleinkörpern des Sonnensystems, die sich auf langgestreckten Ellipsen-Bahnen bewegen. Ihre Masse verteilt sich im Laufe der Jahrhunderttausende längs ihrer Bahn, so daß die kleinen Teilchen schließlich in einem schlauchförmigen Gebilde um die Sonne fliegen. Wenn die Erde diesen Schlauch durchmißt, kommt es zu zahlreichen Zusammenstößen - eben den Sternschnuppen.Der auslösende Komet der Perseiden heißt Swift-Tuttle (1862 III). Er bewegt sich in 133,6 Jahren einmal um die Sonne und wurde im Jahre 1992 wiederentdeckt. Durch seine relative Nähe zur Erde waren in den darauffolgenden Jahren besonders viele August-Sternschnuppen zu beobachten.Dies alles ist wissenschaftlich wie historisch erklärbar. Woher allerdings der volkstümliche Brauch stammt, sich beim Anblick einer Sternschnuppe etwas zu wünschen, was dann auch eintritt - dazu ist in keiner Abhandlung der "Erfinder" auszumachen. Womöglich ist es die Erleuchtung, die einem kommt. Aber lassen wir die Spekulation. Wer's wünscht, der wünsche sich einfach etwas.Bleiben wir bei der Realität: Wer gern wissen will, wie es in diesem Jahr sein wird, sollte die Nächte vom 10. bis 13. August nicht anderweitig verplanen - und auf eine halbwegs hoffnungsvolle Wetterprognose hoffen. +++