Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seitdem der Kreuzberger Jugendliche Mete Eksi bei einer Schlägerei mit Deutschen getötet wurde. Morgen beginnt vor dem Landgericht der Prozeß gegen drei Brüder aus Marzahn im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, die die tödliche Auseinandersetz~mg provoziert haben sollen.27. Oktober 1991. An diesem Sonntag stoßen vor dem Lokal "Graffiti" am Kurfürstendamm eine Gruppe von jungen Thrken und Deutschen aufeinander. Dann ge~chieht nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft folgendes: Die drei Brüder aus Marzahn pöbeln die Kreuzberger an. Einer ruft, gefälligst Deutsch zu reden und nicht TOrkisch. Der Streit eskaliert. Ein Türke schreit einem Deutschen entgegen, er solle das Weite suchen, wenn ihm das Leben lieb ist.Eine Schlägerei beginnt, in deren Verlauf ein I9jähriger Türke einen Basebalischläger aus dem Wagen holt. Der 23jährige Michael 5. entreißt ihm den Schläger, schwenkt ihn herum und schlägt ihn auf den Kopf von Mete Eksi. Blutend bricht der junge Türke zusammen Drei Wochen liegt er im Koma. Am 13. November 1991 stirbt der Kreuzberger im Krankenhaus.Warum mußte Mete Eksi sterben? Ein junger Mann, der in Berlin geboren und aufgewachsen ist. Der das Gymnasium besuchte. Der sich für das friedliche Zusammenleben zwischen Deutschen und Ausländern einsetzte. Der sich im türkischen Elternverein engagierte und Landsleuten Nachhilfeunterricht gab.War Fremdenhaß das Motiv? In einem Trauermarsch für den Verstorbenen rufen 5 000 Menschen dazu auf, gegen Fremdenhai 3 und Rassismus vorzugehen.Die Staatsanwaltschaft geht dagegen in ihrer Anklage gegen die Brüder 5. nicht von einem rechtsradikalen Hintergrund aus. Ein Streit habe zu der Auseinandersetzung geführt. Sie wirft dem Hauptangeklagten Michael 5. daher lediglich Körperverletzung mit Todesfolge, seinen Brüdern Beteiligung an einer Schlägerei vor.Bereits im Vorfel.d des Prozesses spricht Verteidiger Hubert Dreyhng von einer Medienkampagne. Sein Mandant Michael S. sei ~weder ein Rechtsradikaler, noch ein Skin-Head, sondern ein "ganz normaler, vielleicht ein bißchen hitziger junger Mann und völlig unpolitisch". 5. stamme aus einer Polizistenfamilie und sei mit einem Albaner befreundet.Daß 5. wegen Vergewaltigung einer Türkin eine Haftstrafe verbüßte, wertet Dreyling in Interviews als einen unglücklichen Zufall.Dennoch: Mete Eksi war das fünfte Opfer, das in Berlin bei Auseinandersetzungen zwischen Gruppen verschiedener Nationalität starb. In seinem Tod wird eine neue Dimension der rechten Gewalt gesehen, die seit der Vereinigung die Bundesrepublik erschüttert. Keine zwei Monate zuvor, im September 1991, waren in Hoyerswerda eine Woche lang Ausländerwohnheime angegriffen worden.In der deutschen Hauptstadt ist das Klima ebenfalls aufgeheizt. übergriffe und Pöbeleien gegen Ausländer sind an der Tagesordnung.Auch die Auseinandersetzung zwischen den Kreu.zberger und Marzahner Jugendlichen im Oktober 1991 entstand, weil Deutsche sich über die Verwendung der türkischen Sprache ärgerten. Drückt sich darin kein Fremdenhaß aus? Eine Frage, mit der sich auch die Richter befassen müssen. Sigrid Averesch