Am morgigen Freitag stellt sich Rainer Knigge, der seit 1994 Präsident der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) Berlin ist, erneut zur Wahl. Neben ihm drei andere Kandidaten. Knigge hat durchaus gute Chancen. Wohl nicht zuletzt deshalb luden zwei Studentenvertreter am Dienstag zur Präsentation einer "Dokumentation zum Fall Knigge". Diese sollte erstmals eine Affäre zusammenfassen, die vor über zwei Jahren begann. Die Studenten Christian Kaack und Michael Fuchs der derzeitige und der einstige AStA-Vorsitzende wollten "im Auftrag des Studentenparlaments" aufklären und über "Konsequenzen" diskutieren.Doch dazu kam es nicht, denn in Abstimmung mit der Senatsverwaltung entschied der FHTW-Vizepräsident, sich die Dokumentation vor der Veröffentlichung vorlegen zu lassen. Es bestünden "erhebliche rechtliche Zweifel". Die Studenten, die am Dienstag nur das Deckblatt der von Studentengeldern produzierten Dokumentation zeigen durften, sprechen nun von "Zensur". Für die Hochschulleitung ist es lediglich die Wahrnehmung der Rechtsaufsicht gegenüber der Studentenschaft.Worum geht es? Anfang 1996 geriet Rainer Knigge in die Schlagzeilen wegen eines "Firmengeflechtes", in dem er stecke und in dem öffentliche Aufträge hin- und hergeschoben würden. Der AStA warf dem Präsidenten vor, sich zu bereichern. Eine PDS-Sprecherin nannte es einen exemplarischen Fall für den "Westberliner Filz". Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich damit und auch der Rechnungshof. Knigge heute dazu: "Nachdem der Rechnungshof ein Jahr lang Beleg für Beleg in die Hand genommen hatte, wurde die Sache abgeschlossen. " Nach dem Bericht des Rechnungshofes, der zwar einige Ungereimtheiten anzumerken hatte, sah Wissenschaftssenator Radunski dennoch keinen Grund zur Beurlaubung Knigges. Die Verflechtungen Knigges seien juristisch, gesellschaftsrechtlich und förderrechtlich nicht zu beanstanden gewesen, hieß es auch aus dem Haus der Senatsverwaltung für Arbeit.Pubertäres im Internet Seine Geschäfte habe er außerhalb der FHTW und zeitlich vor seinem Präsidentenamt betrieben, sagt Knigge. 1991 sei er zwar Prorektor der Hochschule geworden, wollte aber 1993 in die Privatwirtschaft zurückkehren. Doch dann mußte der damalige FHTW-Rektor Jürgen Tippe gehen, und Rainer Knigge wurde der erste Präsident der FHTW. Von da an zog er sich gänzlich aus den vier Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften (BQG) zurück, in denen er mit jeweils zwei Prozent beteiligt war; in einer davon arbeitete er als unbezahlter Geschäftsführer. Hier wurden arbeitslose Wissenschaftler der einstigen DDR-Akademie und der ehemaligen Hochschule für Ökonomie qualifiziert. Ein Teil sollte in die neue Hochschule integriert werden. "Wir haben Professoren die Möglichkeit gegeben, sich zu qualifizieren und neue Jobs zu finden", sagt Knigge. Er sieht in den fortgesetzten Angriffen der beiden Studenten längst einen "Privatkrieg", der vor allem im Internet geführt werde, und in dem bereits Anwälte tätig sind. Der Nachfahre des Freiherrn von Knigge kann recht unfein werden bis hin zur Androhung von Ohrfeigen, denkt er an die "post-pubertären Internet-Spielereien" und an die Nachstellungen, die bis zum Fotografieren seines Hauses gingen.Gutes Geld, aber legal Das Studentenparlament ist gespalten. Einige Studentenvertreter wie N. M. und Claudia Olwig haben inzwischen begründete Zweifel daran, daß zehntausend Mark aus den Pflichtbeiträgen der FHTW-Studenten für eine Weiterführung der "Schlammschlacht" verwendet werden sollen.Seinen moralischen Verurteilern hält Knigge entgegen: "Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich im BQG-Geschäft gutes Geld gemacht habe. Aber das war legal. Selbst die Gewinnmargen waren vorgegeben. " Er betrachte auch sein Präsidentenamt "als unternehmerische Aufgabe". Für ihn ist die FHTW tatsächlich ein mittelständisches Unternehmen mit 600 Beschäftigten und 80 Millionen Mark. Sein unternehmerisches Denken hat der Fachhochschule durchaus genützt. Selbst Studentenvertreter wie N. M., die gewiß einiges am Amtsstil ihres Präsidenten auszusetzen hätten, sehen keinen überzeugenden Gegenkandidaten. Die abgewickelte Karlshorster Hochschule für Ökonomie ist mit 7 300 Studenten zur größten und nach außen hin erfolgreichsten Fachhochschule Berlins geworden.Knigge gehört auch zu jenen Berliner Hochschulpräsidenten, die am hartnäckigsten auf Modellversuche in der Selbstverwaltung hinarbeiteten. Erst vor einer Woche beschloß die FHTW , ihr Kuratorium auf acht Personen zu verkleinern. Die Hochschulleitung soll nach dem Modell von Unternehmen "mit Vorstand und Aufsichtsrat" arbeiten. Die Fachbereiche erhalten bald ein Jahresbudget und sollen selbständig wirtschaften. Auch das kaufmännische Rechnungswesen wird eingeführt. "Wir müssen Geld verdienen, mit Firmenberatung, Weiterbildung und Wissenstransfer", sagt Knigge. Denn vom Staat ist, wie man weiß, nicht viel zu erwarten.