Eric Clapton macht nicht nur Musik, er lebt sie. "Die Musik ist in meinem Kopf, in meinen Händen und in meinem Bauch. Ich brauche gar nicht in einen Klub zu gehen, um Musik zu hören. Sie ist immer da."Im Armani-Anzug, mit makelloser Fönfrisur und stilvoller Goldrand-Brille könnte Eric Clapton glatt als Vertreter des gehobenen Managements durchgehen. Die mittlerweile 50jährige Gitarrenlegende bevorzugt jedoch ein Leben auf der Bühne statt hinter dem Schreibtisch oder auf dem Golfplatz. Vor dem heimischen Fernseher erlebt Eric Patrick Clapton das erste Mal die Musik, die sein Leben beeinflussen soll. Jerry Lee Lewis flimmert auf der Mattscheibe, was den Teenager dazu bewegt, seine Großeltern um eine Gitarre zu bitten. Er bekommt sie. Ein Elvis-Presley-Modell aus Plastik. Doch nicht die Musik der Weißen interessiert ihn, es ist vielmehr der rauhe Blues von Howlin Wolf, Muddy Waters, Bo Diddley, Big Bill Broonzy und Sonny Terry.Erics exzellente Interpretationsfähigkeit und seine Musikalität lassen den weißen Bluesman schnell zu einem der legendärsten Gitarristen des Genres werden. "Clapton ist Gott" konstatieren die britischen Fans schon 1968. "Slowhand", wie er fortan genannt wird, spielt bei den Yardbirds, feiert Erfolge mit Cream, läßt seine Gitarre für die Beatles weinen und bringt mit John Mayall den Chicago-Blues nach Großbritannien. Über Blind Faith, jene Band, die längst nicht alles erreicht hat, was ihr Potential hergäbe, meinte er später: "Das Herz, der Kern war schon verbraucht, als wir das erste Mal auftraten. Die Band war damals schon mausetot." Es folgt auch ein Tief für Eric Clapton, das sein späteres Leben prägt. Obwohl er Freunde wie Jimi Hendrix und Duanne Allman verliert, gerät der Ausnahmegitarrist immer tiefer in eine Drogenabhängigkeit. Ein Album ohne Alkohol Es ist sein Freund Pete Townshend, Gitarrist von The Who, der ihn wieder zurückbringt zur Musik. Bei der Rockoper "Tommy" predigt Clapton den Rock-'n'-Roll-Gottesdienst und arbeitet an seinem Comeback-Album "61 Ocean Boulevard". Der Erfolg stabilisiert sein Leben und seine Karriere. Spätestens mit dem musikalischen Meilenstein Journeyman scheint der Gitarrist wieder mit sich und der Welt im reinen zu sein: "Es war das erste Album, das ich als komplett nüchterner Mensch eingespielt habe", resümiert Clapton, "vor Jahren war ich von den Drogen und vom Alkohol völlig außer Form. Eigentlich hatte ich alles: Geld, Erfolg und eine wunderschöne Frau. Aber ich wollte jeden Tag sterben. Insofern bin ich prädestiniert, den Blues zu spielen."1990 wird er dafür bei den International Rock Awards in New York zur "Living Legend" erklärt. Auf die Frage, ob es ihn nervt, ein lebendes Denkmal zu sein, antwortet er: "Nein. Mittlerweile genieße ich meinen Status. Die Engländer haben mich lange Zeit sehr zurückhaltend behandelt. Jetzt erkennen mich die Leute in London auf der Straße. Taxifahrer grüßen mich. Wenn das Bestandteil dieses Status' ist, finde ich das in Ordnung."Als 1991 Claptons fünfjähriger Sohn Connor bei einem tragischen Unfall stirbt, durchlebt Clapton ein neuerliches Tief. Aber fallen läßt er sich nicht. Er verliert zunächst das Interesse an der Musik, nutzt dann jedoch seine Songs als Selbsttherapie: "Ich schreibe Lieder über meinen Sohn. Ich setzte mich einfach hin und komponierte für ihn. Zu der Zeit war ich froh, wenn ich einen Fuß vor den anderen bekam." Mit seinem aktuellen Album "From The Cradle" geht Clapton zurück zur eigenen Kindheit. Einen langgehegten Wunsch hat er sich erfüllt, nämlich ein Tribute-Album einzuspielen, gerichtet an die Bluesgrößen der ersten Stunde. Musiker, die ihm seinen Weg wiesen, mit Stücken wie Lowell Fulsons "Reconsider Baby", Muddy Waters "Hoochie Coochie Man" oder Leroy Carrs "Blues Before Sunrise". "Ich wollte auch ,Sweet Sixteen` von B. B. King spielen", erklärt der weiße Bluesman, "ich habe mir den Song immer und immer wieder angehört. Schließlich habe ich aufgegeben. Wie B. B. King singt und Gitarre spielt, ist unglaublich." Musiker erster Wahl Nicht weniger als 117mal hat Eric Clapton in der Royal Albert Hall gastiert, in Berlin war er nicht ganz so oft. Seine Musiker sind selbstverständlich erste Wahl. Und egal, ob im Armani-Anzug oder in Jeans, ob mit oder ohne Bart, mit oder ohne Stöpsel, eins ist sicher: Eric Clapton hat den Blues, und den bringt er nach Berlin. +++