Die neuesten Musikvideos auf MTV werden rund 3 Millionen deutsche Fernsehzuschauer bald nur noch gegen Bares sehen können. Ab 1. Juli verschlüsselt der Sender sein Programm. Wer seine Fernsehprogramme über Astra-Satellitenschüssel empfängt, braucht dann für den Musikkanal MTV einen gebührenpflichtigen Decoder. Für Kabelkunden ändert sich dagegen nichts. Für sie zahlt die Telekom an MTV. Grund: Sie möchte ihr Kabelnetz gegenüber der stärker werdenden Satellitenkonkurrenz attraktiv halten.MTV Europe, das vom US-Konzern Viacom betrieben wird, hat vorwiegend junge Zuschauer in allen europäischen Ländern. Größter Konkurrent in Deutschland ist der Kölner Musikkanal Viva. Was treibt MTV dazu, sein Programm zu verschlüsseln? "Wir wollen unser Konzept vom rein werbefinanzierten Sender ändern", sagt MTV-Sprecher Stefan Vogel. Bislang sende MTV sein Satellitensignal europaweit offen aus. Viele Zuliefererfirmen, die das Programm ins Kabelnetz einspeisen, hätten keine Gebühr an den Sender gezahlt. Durch die Verschlüsselung brauchen diese Firmen jetzt einen gebührenpflichtigen Decoder. Das sei aber kein Pay-TV: "Der Zuschauer merkt keinen Unterschied", sagt Vogel. Nur: Die Nutzer von Satellitenschüsseln müßten eben auch einen Decoder anschaffen. Das sind immerhin 15 Prozent der rund 20 Millionen deutschen Fernsehzuschauer. Der Decoder kostet 250 Mark, für den Empfang sind zudem 49 Mark Jahresgebühr zu entrichten.Damit nun die MTV-Fans unter den derzeit 15 Millionen Kabelkunden nicht noch zusätzlich zur Kabelgebühr zur Kasse gebeten werden - und irgendwann auf Satellitenschüssel umsteigen - zahlt die Telekom stellvertretend an den Sender. Ein bislang in Deutschland einmaliger Vorgang. "Wir wollen das Musikprogramm, das bei der jungen Generation ja außerordentlich beliebt ist, für unsere Zuschauer unverschlüsselt erhalten", sagt Telekom-Sprecher Willfried Seibel. Wieviel für die Entschlüsselung auf Kabel gezahlt wird, darüber schweigen sich beide Seiten allerdings aus. MTV muß weiterhin, wie die anderen Kabelsender, eine Einspeisungsgebühr von rund 1,1 Millionen Mark jährlich an die Telekom als Betreiber des Kabelnetzes zahlen. Doch es gibt Vermutungen, daß sich dieser Betrag und das Entschlüsselungsentgelt ausgleichen.Ein Arbeitskreis der Landesmedienanstalten prüft zur Zeit, ob die Lizenz für den Musiksender überhaupt die Berechtigung zur Verschlüsselung beinhaltet. Und der Konkurrenzsender Viva fühlt sich von der Telekom benachteiligt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß demnächst wahrscheinlich viel mehr Zuschauer mit Satellitenschüssel Viva statt MTV sehen. "Wir denken darüber nach, gegen die Abmachung zu klagen", sagt Viva-Sprecher Klaus Schumacher.