Zum Stelldichein der Olympiasieger wurden die Mittelstrecken in Berlin. Swetlana Masterkowa gewann gewohnt sicher die 1500 m, und auch Algeriens Noureddine Morceli, oft schon als Wunderläufer bezeichnet, setzte sich über die traditionelle ISTAF-Meile durch, wobei er den 5000-m-Champion Niyongabo (Burundi) bezwang.Die Russin Swetlana Masterkowa ist zweifellos die Läuferin des Jahres, obwohl die 28jährige in Berlin keine Superzeit lief und ihre offizielle Pressekonferenz mangels Interesse ausfiel. Dabei ist die Entwicklung der Russin schon spektakulär. Drei Jahre lang hatte sie - auch wegen der Geburt ihrer Tochter Anastasia vor 17 Monaten - pausiert, doch im Olympiajahr rannte sie der Konkurrenz auf und davon. In Atlanta gewann sie sowohl über 800 als auch über 1500 m, brach danach die Weltrekorde über eine Meile (in Zürich) und 1000 m (Brüssel). "Mich haben diese Rekorde auch überrascht", gestand die 28jährige, die mit Mann Asiat Saitow, einem bekannten Radprofi, der einst auch die Friedensfahrt fuhr, in Alicante/Spanien wohnt. "Eigentlich war ich nach den Sommerspielen von Atlanta sehr müde im Kopf, jedoch nicht in meinen Beinen." Warum sie überhaupt wieder mit dem Laufen anfing, beantwortet die stets freundliche Frau mit dem langen Pferdeschwanz so: "Während der Schwangerschaft verspürte ich ständig Lust zum Laufen. Schon zwei Monate nach der Geburt von Anastasia fing ich wieder mit Joggen an." In dieser Saison unterzog sich Swetlana Masterkowa dann einem harten Training. "Ich bin wöchentlich 120 Kilometer gelaufen, bin zum Glück ohne Verletzungen durchgekommen. Für Noureddine Morceli stellte der Sieg in Berlin eine gewisse Genugtuung dar. Denn vor Wochenfrist war er im 3000-m-Rennen von Brüssel bis auf Platz sechs durchgereicht worden und mußte sich danach die Häme seiner Konkurrenten gefallen lassen. "Morceli ist ein Betrüger", führte beispielsweise Niyongabo scharfe Kritik an. "Er sucht sich immer seine Gegner aus, läuft nie gegen Top-Leute." Das Ergebnis von Brüssel (Sieger: Komen/Kenia) schien ihn zu bestätigen, denn Morceli erlitt dort seine erste Niederlage seit vier Jahren auf einer Strecke oberhalb der 800 Meter. In Berlin aber rückte Morceli alles wieder zurecht, schlug seinen Erzrivalen Niyongabo nahezu vernichtend mit fast zwei Sekunden Vorsprung.Über 800 m der Männer setzte der bei Olympia nicht startberechtigte Wilson Kipketer seine Siegesserie fort. Der gebürtige Kenianer, der in Atlanta nicht starten durfte, weil sein Antrag auf die dänische Staatsbürgerschaft noch nicht bestätigt wurde, lief jedoch wieder am angepeilten Weltrekrod vorbei. Obwohl ohne Rekord, waren die Mittelstrecken erneut ein beifallumrauschter Höhepunkt des ISTAF-Meetings. +++