Die Hohepriester waren wohl alle. Kein Geringerer als der Kaiser von China muss diesmal dran glauben. Aber wie gehabt: die Mumifizierung nicht als Ehre, sondern als Fluch. Er war schlicht zu grausam. Dafür wird man nicht bandagiert, sondern vertont. Der Lehm tritt ihm aus den Augen, sieht aus wie Schokolade, dann wird das Ding gebrannt, mitsamt seiner Armee. Ah, die Terrakottakrieger. Zu irgendwas mussten die ja gut sein.Jahrtausende später genießen der Archäologe Rick (Brendan Fraser) und seine hinreißende Frau und Assistentin Evelyn (Maria Bello) das englische Landleben anno 1946, in Liebe und Langeweile. Zwei Mumienabenteuer waren genug. Sie schreibt, lustig selbstreflexiv, Mumienbücher in Serie. Doch schon wird der tönerne Kaiser ausgegraben, noch dazu vom eigenen Sohn, und die beiden müssen wieder ran. Kommt der Chinese nämlich über die große Mauer, wird die Globalisierung ungemütlich. Mit anderen Worten: Weltherrschaft der Mumie. Das muss verhindert werden, mit Feuer, Blitz und noch mehr Spezialeffekten. Rick, immer noch so etwas wie der peinliche kleine Bruder von Indiana Jones, will den Kerl "zerschmettern wie eine Ming-Vase". Die schöne Hexe von damals (Michelle Yeoh), die mit dem Fluch, und ihre auch nicht schlechte Tochter (Isabella Leong) helfen ihm dabei. Es gibt schöne, wenn auch kurze Bilder von Schanghai und vom sagenumwobenen Shangri-La. Ansonsten kennt man den Stoff und seine Protagonisten, vom Riesenerfolg "Die Mumie" (1999) sowie dem Sequel "Die Mumie kehrt zurück" (2001).Jedes Studio macht, was es kann. Die Lebensversicherung von Universal waren über Jahrzehnte die Universal-Monster, also Dracula, Frankenstein oder die Kreatur aus der schwarzen Lagune. Die Ur-Mumie von 1932 gab Boris Karloff unter Regie von Karl Freund, zuvor der wichtigste Kameramann des deutschen Kinos. Trotzdem ein B-Movie wie alle anderen, was der Beliebtheit bei jung und alt nie Abbruch tat. Wird Universal dem großen, untoten Erbe gerecht? Nein. Die Hauptfigur ist schlecht motiviert. Der Mumienkaiser, mit dem man übrigens durchaus reden kann, will nur Macht. Keine tragisch verlorene und wieder entdeckte Liebschaft wie sonst. Insgesamt ist "Das Grabmal des Drachenkaisers" weniger gruselig und auch weniger lustig als die Vorgänger mit ihrem speziellen, gerne auch etwas billigen Charme. Die Plattitüdenhaftigkeit der Dialoge ("Sie wollen den Kaiser wiedererwecken, nicht wahr?") wirkt aufgesetzt, jeder Knalleffekt ist nur weiteres Strukturelement im ironischen Verweisspiel. In der Theorie ist das sinnfreie Unterhaltungskino dem Geist der Einrichtung näher als die allzu reflektierte Qualitätsware. Dieser Film jedoch hat keinen anderen Zweck als Geld einzuspielen sowie danach als Lizenzgeber für Videospiele und Flipperautomaten herzuhalten - und langweilt trotzdem. Müde Mumien soll man nicht wecken.Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers(The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor) Dtl./Kan./USA 2008. Regie: Rob Cohen, Drehbuch: Alfred Gough, Miles Millar, Kamera: Simon Duggan, Darsteller: Brendan Fraser, Maria Bello, Jet Li, John Hannah u. a.; 112 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Von Osten her sorgt ein Hochdruck-Yeti für eine Warmluftfront: General Yang in der neuen olympischen Disziplin "Mundgeruch-Aushalten".