BERLIN. Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode soll im Bundestag noch ein Antrag zur Unterstützung der Münchner Olympiabewerbung durchgebracht werden. Die Drucksache 16/13481, eingebracht von den Fraktionen der SPD, CDU/CSU und FDP, wird am Mittwoch vom Sportausschuss abgesegnet und gelangt einen Tag später ins Parlament. Im ersten von acht Unterpunkten heißt es: Die Olympiabewerbung ist eine nationale Aufgabe. Im zweiten Punkt kommt es zum Kern: "Der Bundestag fordert die Bundesregierung auf, die Olympiabewerbung weiterhin zu fördern und zu unterstützen." Kritiker sehen diese Passage als Freibrief für die Unterstützung der Bewerbung mit Steuermitteln.Deutsche Bewerbungen - ob nun Berchtesgaden (für die Winterspiele 1992), Berlin (Sommer 2000) oder Leipzig (Sommer 2012) - haben traditionell Transparenzprobleme. Nach allen diesen Bewerbungen rügten Rechnungshöfe und Untersuchungskommissionen den katastrophalen, unsachgemäßen Umgang mit Steuermitteln und die Verschwendung öffentlicher Mittel.Bewerber ohne KonzeptNoch haben die Bewerber kein belastbares Finanzierungskonzept vorgelegt, weder die Bewerbungsgesellschaft, noch die Stabsstelle München 2018 oder die entsprechenden Gremien der Landesregierung und des Bundesinnenministeriums. Im Antrag der Parlamentarier heißt es nun: "Der Deutsche Bundestag geht davon aus, dass das IOC sich seiner Verantwortung stellen und daher einen erheblichen Finanzbeitrag zur Durchführung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 leisten wird." Dies lasse "eine staatliche Förderung verantwortbar erscheinen".Tatsächlich überweist das IOC Winter-Gastgebern nur rund eine halbe Milliarde Dollar. Am Beispiel Vancouver 2010 bedeutet das: Der IOC-Anteil am Organisationsetat beträgt nach Abzug der TV-Produktionskosten knapp 25 Prozent. Der Infrastrukturetat für Olympische Spiele, der so genannte Non-Ocog-Etat, beträgt aber meist ein Vielfaches des Organisationsetats. Weshalb der IOC-Anteil, insgesamt betrachtet, in den einstelligen Prozentbereich sinken kann.Viel mehr als das Versprechen, dass die Bewerbungsphase bis zur IOC-Entscheidung im Juli 2011 in Durban mit 30 Millionen aus der Privatwirtschaft finanziert werden soll, gibt es bisher nicht. Die Zahlen werden nicht offen gelegt. Vor zehn Tagen hat die Bewerber GmbH mit der BMW Group den ersten von erhofften zehn nationalen Förderern präsentiert, der angeblich drei bis fünf Millionen Euro zahlen will. Mehrheitsgesellschafter der GmbH ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Dessen Generaldirektor Michael Vesper hatte kürzlich erklärt: "Es ist nach wie vor der Wille und die Absicht aller Gesellschafter, dass diese Bewerbung, wie das München ja versprochen hat, aus privaten Mitteln finanziert wird."Umstrittene BehauptungenDie Bewerbung wird aber bereits direkt und indirekt von der öffentlichen Hand subventioniert. Ein Beispiel ist die Finanzierung durch die Flughafen München GmbH (FMG): Die FMG gehört zu 51 Prozent dem Freistaat Bayern, zu 26 Prozent der Bundesrepublik Deutschland und zu 23 Prozent der Landeshauptstadt München. Sie erbringt derzeit halbjährlich 500 000 Euro an Sachleistungen und direkten Zuwendungen für die Bewerber GmbH. Bis 2011 werden es drei Millionen sein.Von derlei finanziellen und sportpolitischen Details ist der parlamentarische Antrag von SPD, CDU/CSU und FDP nicht geprägt. Die Abgeordneten, die eigentlich Kontrollfunktionen wahrnehmen sollten, verschreiben sich der Terminologie von Sportfunktionären. Olympische Spiele würden "wirtschaftliche Aufbruchsstimmung" erzeugen, heißt es, und für eine "Belebung des Tourismus und des Arbeitsmarktes" sorgen - allesamt höchst umstrittene Behauptungen.