BERLIN, 5. April. Für John Travolta geht mit diesem Film ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Als der Hollywood-Schauspieler vor etwa 15 Jahren begann, sich für die Verfilmung des Romans "Battlefield Earth" ("Schlachtfeld Erde") einzusetzen, wollte er den jungen Helden Jonnie Goodboy Tyler spielen. Nun hat sich die Verwirklichung aber so lange hingezogen, dass er den Part des alternden Gegenspielers von Tyler übernahm. Noch bevor John Travolta am 8. Mai in Hollywood mit "Battlefield Earth" Premiere feiern wird, hat der Science-Fiction-Film in den USA erhöhte Aufmerksamkeit gefunden. Wenn er dann Ende Juni in Europa in die Kinos kommt, sind ihm vor allem in Frankreich und in Deutschland kritische Besprechungen sicher. Propaganda-CoupDenn dass die Produktion so lange gedauert hat und in den vergangenen zehn Jahren renommierte Filmstudios wie MGM und später 20th Century Fox die Rechte erst gekauft und später wieder abgegeben haben, liegt schlicht am Autor der 1 050 Seiten starken und 1982 veröffentlichten Romanvorlage: Der Mann heißt L. Ron Hubbard und ist Gründer der Scientology-Sekte. "Battlefield Earth" ist das erste Buch des 1986 verstorbenen Hubbard, das je verfilmt wurde - für den Scientologen John Travolta eine Herzensangelegenheit. Die erste Filmadaption eines Hubbard-Romans sei für ihn so bedeutend wie "die Verfilmung von Tennessee Williams ersten Werkes", sagte Travolta dem "Wall Street Journal." Am 70-Millionen-Dollar-Budget hat er sich mit mehr als fünf Millionen Dollar selbst beteiligt.Bemerkenswert ist, dass neben der US-Filmproduktionsfirma "Franchise" ausgerechnet eine deutsche Firma größter Financier des Films ist: die Münchner Intertainment AG. Immerhin wird Scientology gerade hier zu Lande besonders kritisch beobachtet. Vor vier Jahren riefen Mitglieder der Jungen Union sogar zum Boykott eines Films auf, in dem der Scientologe Tom Cruise die Hauptrolle spielte. Intertainment-Chef Rüdiger Baeres sagt denn auch, wegen Hubbard habe er zunächst gezögert, als ihm der Film im Rahmen eines Pakets von 60 Produktionen zur europaweiten Lizenzierung angeboten wurde: "Mir liegt nichts an Scientology." Er wolle nur Geld verdienen. Seine Bedenken seien aber ausgeräumt worden, weil mit Warner (Time Warner) eine renommierte Firma den Vertrieb des Films übernommen habe - "für mich Garantie genug, dass der Inhalt harmlos ist", so Baeres. Das auf Hubbards Vorlage basierende Drehbuch sei von Warner besonders aufmerksam geprüft worden. "Wir haben einen Sciencefictionfilm mit John Travolta gekauft, keinen Scientology-Film", verteidigt Baeres sein Engagement. Vielleicht hat man dem deutschen Unternehmer einen Bären aufgebunden, vielleicht lag es an der lockeren Art der Amerikaner, die bei Scientology traditionell eher an "Kirche" als an "Mafia" denken. Denn sektenintern wird "Battlefield Earth" längst als großer Propaganda-Coup gefeiert. "Die Parallelen zwischen dem Film und Scientology sind offensichtlich", sagt Stacey Brooks aus Florida, die in den 80er-Jahren zum Top-Management der Organisation in den USA gehörte. Der Streifen zeigt finstere Aliens mit Namen "Psychlos", die aus armen Menschen geknechtete Sklaven machen - bis sie der jugendliche Held wieder ins All zurückjagt. Diese Handlung entspricht in etwa dem Instant-Mythos, auf den Hubbard seine Sciencefictionreligion gründete. "Es ist kein Zufall, dass die Monster im Film ausgerechnet Psychlos heißen", meint Stacey Brooks. "Psychs" nannte Hubbard die Psychiater, die er lebenslang als seine ärgsten Widersacher ansah und zum Hauptfeind von Scientology erklärte. "Das Vorbild für den Filmhelden Jonnie Tyler ist Hubbard selbst, der die Menschheit vor den Psychiatern retten wollte", sagt die Aussteigerin. "Die Story von Battlefield Earth ist absolut lächerlich." Sie vermutet, dass der Film "ein Riesenflop" wird. Scientology-Manager erwarten sich jedoch von dem Film nicht nur weltweite Werbung, sondern auch ein Geschäft. Zwar dementiert die Sekte, dass sie damit Geld verdient. Doch den Merchandising-Vertrag für Spielzeug hat die Firma Author Services Inc. (ASI) mit Warner abgeschlossen. ASI wird von Scientologen geleitet und gehört einer Scientology-Tochterfirma. Mehr Informationen über Scientology im Internet unter: www.xenu.net