Er weiß, dass er schnell wütend werden kann, der Rapper Sido. Für diesen Fall haben seine Bodyguards offenbar Anweisungen. "Sie schieben mich immer schnell weg, wenn ich aufbrause." An jenem Tag im August 2007 waren seine Bodyguards aber nicht schnell genug zur Stelle. Deshalb stand der 28-jährige Rapper gestern als Angeklagter vor dem Amtsgericht Tiergarten. Bedrohung, Beleidigung und versuchte gefährliche Körperverletzung warf die Staatsanwaltschaft Paul Hartmut Würdig vor, wie Sido mit bürgerlichem Namen heißt. Für ihn, so schien es, war es eher ein zusätzlicher Auftritt. Er lächelte in die Kameras, die bandagierte Hand lässig vor sich auf dem Tisch. Er hat sie sich bei seinem Auftritt bei Stefan Raabs Show "Stock Car Crash Challenge" verknackst, als sich sein Rennwagen überschlug.Vor Gericht ging es um einen Streit in einer Bar an der Warschauer Straße, um Beschimpfungen und fliegende Steine. Es war am frühen Nachmittag. Eine pensionierte Lehrerin saß mit ihrem 47-jährigen Sohn, einem Kaufmann, beim Kaffee, als Sido zur Tür hereinkam. Angeblich wollte er einen lange währenden Streit klären, wie er sagte. Der hatte nichts mit Musik zu tun, sondern drehte sich schlicht um einen Parkplatz vor der Tür. Denn Sido wohnte damals in Friedrichshain. Er sagte, der Kaufmann habe mit seinem Wagen immer die Zufahrt zu seiner Garage versperrt. Er habe zwar keinen Führerschein, aber seine Freundin, und die habe deshalb immer Stress gehabt.Auf jeden Fall fielen unflätige Worte, die hier nur zum Teil zitiert werden können. "Ich stech' dich ab", soll der Rapper aus dem Märkischen Viertel laut Anklage gedroht haben. Auch die 69-jährige Mutter des Kaufmanns, gerade frisch am Bein operiert, wurde heftig bedroht. "Mit einer Krücke erschlag ich deine Mutter", die andere stecke ich dir in den A ...", soll der Musiker gebrüllt haben. Dann soll er auch noch von draußen vier Steine durch das geöffnete Fenster nach der Mutter geworfen haben. "Ich war so entsetzt", sagte die 69-Jährige vor Gericht.Provoziert habe er sich gefühlt, behauptete der Rapper. Eigentlich könne er sich nicht merken, was er so sagt in seiner Wut. Mit einem Messer habe er aber bestimmt nicht gedroht. Aber das mit den Krücken, das könne schon eher stimmen. "Das passt sehr zu mir." Weil er ein Rapper sei, der gern überspitzt. Eine krasse Beleidigung würde er das aber nicht nennen. Solche Sprüche seien "eher lustig und amüsant". Steine habe er auch geworfen. "Aber niemals gezielt auf eine alte Frau", wie er sagte. "In dem Moment hat's bei mir ein bisschen ausgesetzt." Sein Anwalt sagte, Mutter und Sohn hätten bei ihren Vorwürfen "deutlich übertrieben".Von Pflastersteinen hatte die pensionierte Lehrerin gesprochen. Sie hatte die Steine aufgehoben und damals zur Polizei gebracht. Der Richter ließ sie aus der Asservatenkammer holen, um sich ein Bild zu machen. Eine Handvoll Kieselsteine steckten in einem braunen Briefumschlag.Nach der knapp dreistündigen Verhandlung stellte der Richter das Verfahren ein, weil nicht mehr aufzuklären war, ob der Angeklagte gezielt geworfen hatte. Ganz ungeschoren kam Paul Hartmut Würdig aber dennoch nicht davon. Er muss 14 000 Euro als Geldauflage zahlen. 2 000 Euro davon erhält die pensionierte Lehrerin. Der Rest geht an zwei gemeinnützige Organisationen. Ob Sido das noch lustig und amüsant findet, war nicht zu erfahren.------------------------------"Der Satz mit den Krücken klingt sehr nach mir." Rapper SidoFoto: Sido vor Gericht. Die Hand hat er sich letztes Wochenende geprellt. Er hielt einen Arm aus dem Fenster, als sich sein Auto bei einer Renn-Show überschlug.

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