Vor der Neuköllner Sehitlik-Moschee steht ein Sarg, er ist mit einem grünen Tuch bedeckt, das goldfarbene Schriftzeichen trägt. Muslimische Männer stellen sich in drei Reihen vor den Sarg, der Imam spricht das Totengebet. Der Verstorbene wurde zuvor in der Moschee den im Islam vorgeschriebenen rituellen Waschungen unterzogen. Nur unter die Erde kommen die meisten muslimischen Verstorbenen woanders - schätzungsweise 70 Prozent der Türken lassen sich in die alte Heimat überführen. Und das, obwohl der Prophet Mohammed gesagt hat, man solle dort begraben sein, wo man gelebt habe.Direkt vor der Moschee liegt zwar ein türkischer Friedhof, Beerdigungen finden aber nicht mehr statt. Die Behörden haben den Muslimen einen Teil des Landschaftsfriedhofs Gatow zur Verfügung gestellt - weit entfernt von den Stadtteilen, in denen die meisten Berliner Muslime leben. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) hätte deshalb gerne einen zentraler gelegenen muslimischen Friedhof. "Das wäre ein positives Zeichen auch hinsichtlich der Integration", sagt Ender Cetin, der die Öffentlichkeitsarbeit für Ditib macht. Am liebsten würden die Muslime einen Friedhof auf einem Teil des Tempelhofer Feldes einrichten, das an die Moschee und an den Garnisonsfriedhof grenzt. Bis in die 1920er Jahre war der rund 100 Meter breite Streifen schon einmal Friedhofsfläche, danach wurde er dem Flughafen zugeschlagen.Auf dem Garnisonsfriedhof werden auch Muslime bestattet. "Dort liegen sie aber Seite an Seite mit Christen und das stört manche Gläubigen", sagt Cetin. Außerdem werden die Kapazitäten auch dort in absehbarer Zeit erschöpft sein. Zudem müssen die Gräber auf dem städtischen Friedhof nach 20 Jahren geräumt werden. Für gläubige Muslime ist das ein Problem: Sie brauchen ein Grab für die Ewigkeit."Bei uns rennt Ditib offene Türen ein", sagt der Neuköllner Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Der Bedarf an muslimischen Grabstätten werde immer größer: 2004 ließen sich 34 Muslime auf dem Garnisonsfriedhof begraben, 2009 waren es schon 159. In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es, man prüfe, wo ein Standort für muslimische Grabstätten sinnvoll wäre. "Ob das am Columbiadamm sein kann, das können wir noch nicht sagen, wir müssen das Ergebnis des landschaftsplanerischen Wettbewerbs abwarten", sagt Sprecher Alexander Abel.Sargzwang soll fallenIn anderer Hinsicht kommt der Senat den Muslimen entgegen. Wegen des Sargzwangs, der in Berlin gilt, lassen sich viele Türken nach ihrem Tod in die Heimat überführen. Eine Bestattung im Sarg sei bei Muslimen nicht üblich, sagt Cetin. Im neuen Integrationsgesetz, das dem Abgeordnetenhaus im Herbst vorgelegt und im Februar 2011 verabschiedet werden soll, werde der Sargzwang für Muslime aufgehoben, sagt Regina Kneiding, Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Auch sollen Bestattungen schneller möglich werden. Nach islamischer Tradition wird eine Leiche innerhalb von 24 Stunden bestattet, in Berlin sieht das Gesetz dies bisher frühestens nach 48 Stunden vor.------------------------------Foto: Gräber auf dem islamischen Friedhof am Columbiadamm. Dort wird zwar gebetet, wenn die Moschee überfüllt ist, aber nicht mehr bestattet.