Da es vermutlich sein letzter Urlaub als Bundeskanzler sein wird, könnte man sagen: Helmut Kohl hat es sich verdient, bei der Fasten-WM im österreichischen St. Gilgen am Wolfgangsee auch in diesem Jahr unter reger Anteilnahme der Bevölkerung ungestört Kälber streicheln und die Geschenke des Bürgermeisters entgegennehmen zu dürfen. Auch ein geordenter Besuch bei den Salzburger Festspielen ist Helmut und Hannelore Kohl wieder zu gönnen. Bestimmt geben sie eine gute Visitenkarte für Deutschland ab, und man wird sich ihrer im Ausland nicht übertrieben schämen müssen.Indes sind Pläne bekannt geworden, daß "eine aggressive linksradikale Gruppe" (Salzburgs Bürgermeister Josef Dechant) die schöne Eintracht zu stören gedenkt. Christoph Schlingensief will zur Kohl-Urlaubszeit erstens Obdachlosen Eintrittskarten für die Salzburger Festspiele schenken, zweitens mit allen deutschen Arbeitslosen in den Wolfgangsee springen, ihn so zum Überlaufen bringen und Kohl wegschwemmen. Da wollte freilich Salzburgs Landeshauptmann Franz Schausberger "alles tun, damit unser Ruf als gastliebes Land nicht gefährdet und Helmut Kohl, der soviel für Salzburg getan hat, nicht beleidigt wird". Und es wird gut: Nach massiven Drohungen, dem Veranstalter der Karten-Aktion der "Szene Salzburg" die Subventionen zu streichen, müssen die Obdachlosen jetzt draußen bleiben.Bei der Spring-in-den-See-Aktion, die Schlingensief noch immer durchführen will, stellt sich ein anderes Problem. Nach Berechnungen der Literaturredaktion der "Berliner Zeitung" würde der Spiegel des Wolfgangsees (13,5 Quadratkilometer) bei einer angenommenen Verdrängungsmasse von 80 Liter pro Arbeitslosem nur um 2,3 Zentimeter steigen. Zu wenig, um auch nur die abschüssige Wiese vor dem Haus der Kohls zu benetzen.Die Salzburger Sicherheitskräfte sind dennoch gewarnt. Die Hooligan-Randale von Lens ("Eine Schande für unser Land", Helmut Kohl) sind ihnen warnendes Beispiel genug. Schon droht die heimliche Einreise gut verkleideter Arbeitsloser über die offene Grenze und ihre spontane Zusammenrottung dahinter. Was aber, wenn die österreichische Polizei versagt wie die französische und den Badegang der linksanarchistischen Arbeitslosenchaoten nicht verhindern kann? Muß Kohl dann nach Hause fahren? Berti Vogts sagt nein und droht mit Rücktritt. Aber was sagt der Ted? Bei der deutschen Nationalmannschaft befürworten nach letzten ARD-Umfragen 53 Prozent eine Heimreise (bei der englischen 60 Prozent). Und beim Kanzler? Rufen Sie nicht an.