Es gibt Ereignisse, an die man sich ein Leben lang erinnert. Dazu gehört für mich der Kennedy-Besuch in Berlin - nicht nur, weil wir alle schulfrei bekamen. Ganz West-Berlin war auf den Beinen. Alle hingen diesem großen Mutmacher aus dem fernen Amerika an den Lippen, weil er uns vermittelte: Ihr seid nicht allein, wir stehen an Eurer Seite und wir haben ein gemeinsames Ziel - die Überwindung der Teilung und die Freiheit für ganz Berlin.Für meine Generation war der Auftritt des amerikanischen Präsidenten wenige Monate vor seiner Ermordung ein Schlüsselerlebnis. Kennedy wurde zu einer Symbolfigur der engen Verbundenheit zwischen den USA und Berlin, die ja - historisch gesehen - keine Selbstverständlichkeit war: Deutschland hatte Europa und weite Teile der Welt mit einem verbrecherischen Angriffskrieg zerstört. In Berlin wurde die Shoa - das Menschheitsverbrechen an den Juden Europas - befohlen. Seit 1941 waren unsere Länder Kriegsgegner. Und als 1945 Amerikaner ins zerstörte Berlin einrückten, kamen sie als siegreiche Besatzer.Was nach dem Krieg geschah, gleicht einem Wunder. Aus der Siegermacht wurden Beschützer und Freunde. Und so wuchsen wir als West-Berliner Kinder in der Gewissheit auf, dass die Amerikaner an unserer Seite stehen. Das hatten sie mit der Luftbrücke während der Berlin-Blockade 1948/49 bewiesen - einem Meisterwerk der Solidarität, welches das Überleben der Menschen im abgeriegelten Westteil der Stadt sicherte. Kaum minder bedeutend ist der Marshall-Plan, mit dem die USA den Wiederaufbau des zerstörten Landes unterstützten. Sie stifteten die Amerika-Gedenkbibliothek und den Henry-Ford-Bau der Freien Universität. Amerika garantierte Freiheit und Unversehrtheit West-Berlins, hielt am Selbstbestimmungsrecht der Deutschen fest und machte uns in der geteilten Stadt Mut.Auf uns junge Berliner übten das Freiheitsgefühl der Amerikaner und der "American Way of Life" eine besondere Faszination aus. Amerika setzte die Trends der Zeit, und die drangen bekanntlich auch durch die Mauer in die DDR und den Ostteil der Stadt: Im Alltag war amerikanische Kultur - von Blue Jeans über die Jazz-Musik bis zu den neuesten Hollywood-Streifen - höchst populär.Was wir im Westteil Berlins erlebten, war aber auch eine schrittweise Aneignung des demokratischen politischen Systems, aber auch einer liberalen und demokratischen Lebensweise. Die politische Kultur näherte sich an die des Westens an. Und dazu gehört auch eine Kultur der Debatte und des Protestes, z.B. in den sechziger Jahren gegen den Vietnamkrieg oder in jüngster Zeit gegen den Irakkrieg. Wir haben gelernt, uns als Freunde auf der Grundlage gemeinsamer Werte miteinander auseinanderzusetzen.Heute - knapp zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer - erlebe ich Berlin als eine Stadt, die lebendig, weltoffen und von Vielfalt geprägt ist. Amerika hat einen herausragenden Anteil an dieser Erfolgsgeschichte. Dazu gehört heute die selbstverständliche Präsenz vieler US-Amerikaner in der Stadt und eine lebendige Städtepartnerschaft mit Los Angeles.Institutionen wie die American Academy, aber auch zahlreiche andere transatlantische Akteure knüpfen immer wieder frische Beziehungen zwischen der alten und der neuen Welt und fördern einen fruchtbaren intellektuellen Austausch, der gerade in politisch verhärteten Zeiten wichtig ist.Die engen transatlantischen Beziehungen sind keineswegs "nur" Geschichte. Sie sind lebendig, und angesichts gemeinsamer Herausforderungen, vor denen wir im 21. Jahrhundert stehen, bietet die transatlantische Kooperation auch für die Zukunft große Chancen.------------------------------Foto: Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister