Nadja Bunke kam nicht zur Verhandlung ins Landgericht. Sie ist 90 Jahre alt und er habe ihr von solcher Anstrengung abgeraten, sagte ihr Anwalt Christian Schertz. Nadja Bunke ist die Mutter von Tamara Bunke, der Kampfgefährtin Che Guevaras, die 1967 im bolivianischen Dschungel starb. Über Tamara Bunke ist schon viel geschrieben worden, aber nichts, was ihre Mutter nicht zulässt. Die 90-Jährige wacht hartnäckig über das Ansehen der Tochter. So manchen Prozess hat sie schon gewonnen. Den letzten am Dienstag. Es ging um die Fidel-Castro-Biografie des Hamburger Journalisten Volker Skierka. Auf Seite 233 schreibt Skierka, dass sich die Sowjets "der deutsch-argentinischen Agentin des sowjetischen Geheimdienstes KGB Tamara Bunke bedienten" und dass Bunke die "zeitweilige Geliebte Che Guevaras" gewesen sei. Dass ihre Tochter KGB-Agentin und Geliebte Che Guevaras war, durfte noch kein Autor behaupten. Nadja Bunke, die ihre Tochter als Revolutionärin sieht, hat deswegen schon 1997 das Buch "Tania. Die Frau, die Che Guevara liebte" des uruguayischen Journalisten José Zapata aus dem Verkehr ziehen lassen. Irgendwie war sie auch an die Druckfahne von Skierkas Castro-Biografie gekommen und hatte bereits im März 2001 eine Unterlassungserklärung über die Passagen auf Seite 233 erzwungen. Nun, am Dienstag, half es nichts mehr, dass Skierka sagte, er habe neue Beweise für Tamara Bunkes Zusammenarbeit mit dem KGB. Er muss die Passagen streichen, weil es aus Sicht des Gerichts wegen seiner bereits abgegebenen Unterlassungserklärung auf etwaige neue Beweise nicht mehr ankomme. Nadja Bunke wohnt heute in der Nähe des Ostbahnhofes. Sie kommt aus einer jüdischen Familie. 1935 floh sie mit ihrem Mann vor den Nazis nach Argentinien, 1937 wurde dort ihre Tochter Tamara geboren. 1952 kehrte die Familie in die DDR zurück, in das heutige Eisenhüttenstadt. Nadja Bunke arbeitete als Dolmetscherin. Auch die Tochter wurde Dolmetscherin und lernte so 1960 Che Guevara kennen. Sie war fasziniert. Im Mai 1961 kehrte sie von einer Dienstreise nach Kuba nicht zurück. Sie arbeitete für den kubanischen Geheimdienst und ging nach Bolivien. Dort sollte sie Verbindungen zu Regierungskreisen knüpfen. Sie arbeitete zunächst im Präsidentenpalast. 1966 folgte sie Che Guevara in den Dschungel, um für die Revolution zu kämpfen. Am 31. August 1967 geriet sie mit ihrer Gruppe in eine Falle und wurde erschossen. Zwei Monate später hat Nadja Bunke von einem kubanischen Beamten vom Tod ihrer Tochter erfahren. Nadja Bunke gab selbst ein Buch heraus: "Tania la Guerillera", in dem Freunde und Bekannte den Lebensweg von Tamara nachzeichnen. Dass Tamara Bunke eine Agentin des KGB war, sei lanciert worden, um das Image von ihr und Che zu zerstören, sagte Schertz. Nadja Bunke sei 1997 nach Moskau gereist, um sich von russischer Seite bestätigen zu lassen, dass es keine Unterlagen gibt, die für eine KGB-Mitarbeit ihrer Tochter sprechen.