Zwischen den Ausschußmitgliedern des Mykonos-Untersuchungsausschusses Ist eine Auseinandersetzung um den Abschlußbericht entbrannt. In Ihrem gestern vorgelegten Entwurf wirft die SPD Innensenator Dieter Heckelmann (CDU) massive Versäumnisse fest. Die CDU dagegen entlastet In ihrem Entwurf Ihren Parteikollegeil.Heftige Worte findet Hans-Georg Lorenz. Das Verhalten Heckelmanns sei "eine Katastrophe", faßt der SPDPolitiker seine Sicht aus den Erkenntnissen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zusammen. Mehr als ein Jahr tagte das Gremium, um zu klären, ob Berliner Sicherheitsbehörden den Mord an drei kurdischen Politikern im September 1992 hätten verhindern können.Mangelhafte SicherheitLorenz gibt eine klare Antwort: Ja, wenn die Behörden die Tagung der Sozialistischen Internationale (51), an der die später Ermordeten teilgenommen hatten, richtig vorbereitet hätten. Für diese unzureichende Sicherheitsmaßnahmen trage Heckelmann "persönlich und politisch die Verantwortung", so das Ergebnis der SPD-Mitglieder. "Er hat nichts getan. Und das war falsch", lautet die Kritik.Zu einer ähnlichen Bewertung kommt auch Renate Künast vom Bündnis 90/ Grüne. "Heckelmann hat systematisch dafür gesorgt, daß Im Bereich des Ausländerterrorismus nicht getan wurde", kritisiert sie. "Das war ursächlich für das Attentat." Heckelmann habe verhindert, daß "in seinem Kopf und in dem aller Sicherheitsbehörden die Informationen zusammenliefen.""Keine Abhörpanne"Die CDU dagegen nimmt den Innensenator in Schutz. Bei ihm sei "ein entgegen gesetzlicher Verpflichtungen bestehendes Handlungsdefizit nicht festzustellen", heißt es in einem Entwurf zum Abschlußbericht. Es bestehe kein Zweifel, "daß der Innensenator sich genügend um alles gekümmert hat", betont CDU-Ausschußmitglied Andreas Gram. Daß der mutmaßliche Drahtzieher Darabi trotz Empfehlungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz nicht abgehört worden war, sieht er nicht als Abhörpanne.Das Klima ist gereizt. Daß die CDU-Positionen bekannt wurden, lastet Grams der SPD an. Gerüchte wiederum besagen, das CDU-Papier stamme aus der Senatsinnenverwaltung. Ein gemeinsamer Abschlußbericht scheint somit in weite Ferne gerückt. Wie das politische Schicksal des Innensenators aussehen wird, entscheidet das Parlament. Dort ist mit einem Abwahlantrag der Opposition zu rechnen. Und dann, so Lorenz, "sitzen CDU und SPD in einer Zwickmühle". Sie müssen entscheiden, wieviel ihnen der Innensenator und die Große Koalition wert ist. Zeit genug haben sie: Der Ausschuß-Bericht wird erst nach der Sommerpause erwartet. Sigrid Averesch