Nach 106 Folgen schließt die "Praxis Bülowbogen": Die letzten Rezepte

Praxis Bülowbogen, 18.54 Uhr, ARD. Zehn Jahre lang waren Dr. Brockmann und seine Gaby im unermüdlichen Einsatz für ihre Patienten - und die vielen Millionen Fernsehzuschauer. Jetzt startet die letzte Staffel mit dem tatkräftigen Gespann, das zum Abschluß händchenhaltend das Sprechzimmer hinter sich läßt. Endlich hat das Paar auch privat (wieder) zueinander gefunden Ein Ende ganz nach dem Wunsch der Hauptdarsteller Günter Pfitzmann (72) und Anita Kupsch (56). "Daß die beiden gemeinsam dem Sonnenuntergang entgegengehen, war einfach ein Muß. Aber 106 Folgen sind genug, wir würden uns sonst nur wiederholen", betont "Pfitze". Als er seinen Rücktritt ankündigte, erklärte sich Anita Kupsch sofort solidarisch und warf ebenfalls das Handtuch. Die sensible Schauspielerin, die ihre bekannte "Berliner Schnauze" nur als Schutzschild benutzt, will sich nun erst mal auf ihre Theaterarbeit konzentrieren. Die Fernsehzuschauer brauchen aber auch in Zukunft nicht auf "Workaholic-Anita" zu verzichten. Im kommenden Jahr wird sie für das ZDF eine wöchentliche Sitcom als Karrierefrau drehen, die ihr extra auf den noch immer wohlgeformten Leib geschrieben wurde. Auch Günter Pfitzmann will nicht gemeinsam mit seinem Dr. Brockmann in Rente gehen. Für das ZDF spielt er jetzt einen Geldtransportfahrer, der sich ebenfalls zur Ruhe setzt ("Röpers letzter Tag"), dann stehen neue Folgen vom "Havelkaiser" an.Bis sich die Zuschauer jedoch von ihrem gewohnten Praxis-Team verabschieden müssen, stehen erst einmal 13 neue Episoden auf dem Programm - und eine alte. Zum Eingewöhnen wiederholt die ARD als Einstieg die letzte Folge der vorigen Staffel. Wie gehabt bringt "Praxis Bülowbogen" dann die bewährte Mischung aus Soap-Opera und Ärzteserie auf die Mattscheibe. Neben seinen privaten Problemen - wie dem Liebeskummer seiner Tochter Kathrin (Mareike Carriere) - muß sich der volksnahe Kassenarzt wieder mit den zahllosen Nöten seiner Patienten herumschlagen. Von Kreditbetrug und Heiratsschwindel über Vermieterschikanen zwecks Häusersanierung und Obdachlosenhatz bis zu Magersucht und Fahrerflucht reichen die Themen, und nicht nur Brockmanns ärztlicher Rat ist gefragt.In der vorletzten Folge dann wird sein Nachfolger Dr. Sommerfeld alias Rainer Hunold eingeführt. Denn Pfitzmanns Wunsch, die Serie mit seinem Aussteigen "sterben" zu lassen, wollte die ARD nicht erfüllen: Das Aushängeschild und Markenzeichen des Vorabends (die letzte Staffel hatte knapp 18 Prozent Marktanteil, bei rund 3,5 Millionen Zuschauern) wird nun mit neuer Besetzung weitergehen. Als Autor spitzt aber weiterhin "Bülowbogen"-Erfinder Ulrich del Mestre seine Feder.Auch Anita Kupsch sieht eine Fortsetzung eher mit Unbehagen, wie ihr ebenfalls die Organisation des letzten Drehtags übel aufstieß: "Das hätte man wirklich liebevoller machen können. Wir mußten die letzte Szene, die schon in der vorletzten Folge zu sehen sein wird, mitten auf dem Ku'damm abdrehen. Die Klappe fiel, und wir standen wie belämmert herum. Ich bin dann in einen Laden geflüchtet und hab mir ein Kleid gekauft, das ich gar nicht gebrauchen kann!" +++