Rainer Koch, der Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat das Erwartbare gesagt, nachdem der Terror dem Fußball noch nie so nahe gekommen ist, wie am Freitag beim Spiel Frankreich gegen Deutschland im Pariser Stade de France. Der Fußball habe sich zur Wehr zu setzen, sagte Koch, „wie die Gesellschaft im Ganzen“. Insofern ist es nur konsequent, dass das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande in Hannover am Dienstagabend stattfinden wird. Und die komplette Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel wird im Stadion sein.

Gefährlich wie ein U-Bahn-Fahrt

Weiter in die Zukunft wollte Koch noch nicht blicken. Von Jacques Lambert hingegen werden Antworten zur Europameisterschaft 2016 in Frankreich gefordert. Lambert ist Organisationschef des kontinentalen Wettbewerbs. Und er scheint ? gemessen an seiner Reaktion ? der Richtige für diese Aufgabe zu sein. Denn für ihn stellt sich die Frage nach einer Absage der Großveranstaltung erst gar nicht.

„Das Risiko ist im Januar gestiegen“, erklärte er mit Blick auf den Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo. „Und es ist nun wieder gestiegen. Und es ist nicht zu erwarten, dass sich die Situation in Sachen Terrorismus bis zur Euro 2016 entspannt. Aber wir werden alle Maßnahmen treffen, um die größtmögliche Sicherheit zu gewähren. Die Sicherheit im Stadion funktioniert gut, das Risiko besteht eher auf der Straße und bei spontanen Zusammenkünften.“

Dass Fußball gespielt wird, muss nicht ? wie Koch das mit seinen Worten andeutete ? als Zeichen des Widerstands verstanden werden. Nein, dass Fußball gespielt wird, muss eine Selbstverständlichkeit sein. The show must go on, ohne Überhöhung, ohne Tamtam. Auch wenn bei den Anschlägen eine Cousine von Frankreichs Nationalspieler Lassana Diarra, der am Freitagabend auf dem Platz stand, ums Leben gekommen ist.

Der Besuch einer Sportveranstaltung war schon immer mit Gefahren verbunden, er war aber auch nie gefährlicher als die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel oder die Shoppingtour durch ein Kaufhaus. Wenn sich bestätigt, dass einer der Attentäter versucht hat, am Freitagabend ins Stadion zu kommen, aber von Sicherheitsbeamten daran gehindert werden konnte, dann war die Arena in diesen schrecklichen Stunden womöglich sogar einer der sichersten Orte in Paris. Ängste werden die EM im kommenden Sommer begleiten, Ängste, die alle zum Vorteil aller wachsamer machen werden. Vive le football! Und: Vive les jeux olympiques, um deren Austragung sich Paris wie Hamburg für das Jahr 2024 bewerben.