Böse Zungen würden die kurvige Straßenbahnstrecke nordöstlich vom Alexanderplatz "Diepgens Vermächtnis" nennen. Weil der Regierende Bürgermeister keine Züge vor dem Roten Rathaus wünschte, verläuft die 1998 eröffnete Alex-Bahn im Zickzack um Diepgens Dienstsitz herum. Eine dieser Kurven hat den Anliegern der Wadzeckstraße und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ein Problem beschert: Wenn ein Zug durch den Gleisbogen fährt, kreischt und quietscht es. Am Freitag berichtete die BVG, wie sie ihre Tram leiser machen will. Täglich absolvieren 280 Züge 5 500 Fahrten. "Wir nehmen das Thema außerordentlich ernst", sagte Betriebsvorstand Hans-Heino Dubenkropp. "Doch unsere Bemühungen haben auch objektive Grenzen. Da will ich niemandem etwas vormachen", sagte Tram-Chef Wolfgang Predl. Beispiel Wadzeckstraße: Dort lässt die BVG regelmäßig die Schienen schleifen und schmieren. Doch gegen das Kreischen, das meist bei leichter Nässe laut wird, ließ sich noch nicht viel ausrichten. Es gebe zwar Behandlungsmittel für die Schienen - die aber den Bremsweg verlängern. Nun wird nach Chemikalien gesucht, die mit allen Sicherheitsanforderungen vereinbar sind. Nachts gilt Tempo 30 Auf der Langhansstraße in Weißensee hat die BVG zwischen 21 und sechs Uhr ein Tempolimit verhängt. Dennoch klagen die Anlieger weiterhin darüber, dass der Zuglärm gesundheitsschädigende Werte erreicht. "Die Begrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde gilt nur auf einem sehr kurzen Teilstück. Und viele Fahrer halten sich nicht daran", sagte ein Mitglied der Bürgerinitiative. Besonders nervend seien die Geräusche, die von den Zügen der neuesten Generation ausgehen. "Beim Typ GT6 treten einige Frequenzen besonders hervor", sagte Professor Markus Hecht von der Technischen Universität (TU) Berlin. Mit der BVG und dem Hersteller Adtranz untersucht Hecht, wie sich die von den Getrieben ausgehenden Schwingungen verringern lassen. Zwei weitere Probleme mit den GT6-Zügen seien bereits gelöst worden, sagte Predl. Das "Bremsjaulen" trete nicht mehr auf, weil die hörbare Taktfrequenz des Antriebs verändert wurde. Zudem gebe es jetzt eine Messstelle, die "Polygone" aufspürt - Ecken, die sich auf den Rädern bilden und durch Schleifen oder Drehen entfernt werden. Einem dritten Problem, den beim Bremsen und Sanden an den Rädern entstehenden Flachstellen, ist die BVG auf der Spur. Predl: "Künftig werden sie bei uns automatisch durch Laserstrahlen erkannt."Auch die Fahrwege werden leiser, zum Beispiel durch Schleifen. Auf Weichen poltern manche Züge laut, obwohl dort Tempo 20 gilt - rund 30 Prozent sollen nun durch leisere Konstruktionen ("Tiefrillenweichen") ersetzt werden. In der Grünauer und der Siegfriedstraße ließ die BVG bereits das "Neue Berliner Straßenbahngleis" verlegen. Eine elastische Ummantelung des Schienenfußes und seitliche Kunststoffelemente senken den Lärm um 15 Dezibel. In der Wadzeckstraße, am Alex oder in der Mühlenstraße wurden noch leisere "Flüstergleise" gebaut. Mehrkosten: 50 Prozent.