Seit Beginn des neuen Schuljahres erteilt eine muslimische Lehrerin, die während ihrer Arbeit ein Kopftuch trägt, Unterricht an einer Kreuzberger Grundschule. Die 26-jährige Fereshta Ludin war zuletzt noch im Februar wegen Tragens des traditionellen Kopftuches als Lehramtsbewerberin in Baden-Württemberg abgelehnt worden. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Das Stuttgarter Oberschulamt hatte argumentiert, dass das Kopftuchtragen das Recht auf Religionsfreiheit der Schüler verletze.Fereshta Ludin gibt an der islamischen Grundschule in der Boppstraße nach Angaben des Trägervereins vorerst fünf Wochenstunden. Die junge Frau studierte unter anderem Englisch. Wie es heißt, erteilt sie keinen Religionsunterricht. Die islamische Schule in Kreuzberg besitzt den Status einer staatlich geförderten Privatschule, für die das Land Berlin in diesem Jahr 861 000 Mark Personalkosten übernimmt. Die Schüler wechseln nach sechs Schuljahren regulär an die weiterführenden staatlichen Schulen. Schulsenatorin Stahmer (SPD) hat sich wiederholt dagegen ausgesprochen, Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern im Unterricht zu erlauben. Wie die Senatorin auch am Mittwoch sagte, will sie dies weiter an öffentlichen Schulen nicht zulassen. Ingrid Stahmer: "Ein solches Auftreten verletzt die Pflicht des Staates zur Neutralität." An Privatschulen könne die Schulbehörde nur die allgemeine Qualifikation prüfen. "Auf die Einstellungen selbst haben wir darüberhinaus keinen Einfluss", sagt Ingrid Stahmer. Wie die Gruppenleiter für Privatschulen, Ingrid Bigalke, sagt, sehe sich die Schulverwaltung für eine Anerkennung der Privat-Schule die Rahmenpläne des Unterrichtes und die "Ernsthaftigkeit des Angebotes" an. Festgelegt sei dies durch die Abschnitte über die Schulfreiheit im Grundgesetz sowie durch Ausführungen im Privatschulgesetz. Das Land Berlin werde dementsprechend nicht gegen die Schule vorgehen. "Das Kopftuchtragen gehört dort mit zur besonderen religiösen Prägung", sagt Ingrid Bigalke.Vor der Anerkennung der islamischen Grundschule 1995 hatte es Diskussionen über mögliche Zweifel an der Verfassungstreue des Trägervereins, dem Islam-Kolleg, gegeben. Seitdem wird auf eine turnusgemäße Überprüfung der Verfassungstreue nach Angaben von Ingrid Bigalke verzichtet. In der Kreuzberger Boppstraße residiert neben der Schule der Trägerverein sowie die umstrittene Islamische Föderation. Die Förderation strebt regulären Religions-Untericht an staatlichen Schulen an.Der Anwalt von Fershta Ludin, Hans-Jörg Melchinger, schließt nicht aus, dass die Muslimin nach Baden-Württemberg zurückkehrt. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht werde in einigen Monaten entscheiden, ob das Unterrichtsverbot an staatlichen Schulen bestehen bleibe. Fereshta Ludin will in der Öffentlichkeit derzeit zu ihrem Fall öffentlich nicht Stellung nehmen.ISLAM-SCHULEN 150 Plätze in Berlin // An der islamischen Grundschule werden in Berlin 150 Jungen und Mädchen unterrichtet. An der zweiten, staatlich anerkannten islamischen Schule in der Bundesrepublik, in München, gibt es weitere 180 Plätze.15 Lehrer, darunter acht Muslime kümmern sich in Kreuzberg um die muslimischen Kinder.