BERLIN, 6. Dezember. Anders Swahn, der jüngste Neuzugang des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union, hatte die Pudelmütze tief in sein Gesicht gezogen und harrte auf der Auswechselbank auf Anweisungen seines neuen Personalchefs. Doch Fritz Fuchs, der Union-Cheftrainer, brachte den Mann aus Schweden, der vom Zweitligisten Kristianstad kam, beim Prestigeduell gegen den FC Berlin noch nicht zum Einsatz."Der Reißertyp", so Fuchs, sollte sich langsam an seine neue Umgebung gewöhnen. Außerdem hatte es Fuchs im schneebedeckten Sportforum in Hohenschönhausen überhaupt nicht nötig, neben seinem schlitzohrigen Torjäger Steffen Menze, dem ballsicheren Peter Közle und dem eingewechselten Brasilianer Juarez noch einen zusätzlichen Angreifer auf den schwer bespielbaren Platz zu schicken.Entscheidung nach 55 MinutenÜberraschend war das Derby bereits nach 55 Minuten für die Gäste aus der Alten Försterei entschieden. Noch vor der Pause hatte Jörg Schwanke, gelernter Abwehr-und Mittelfeldspieler, mit einer feinen Einzelleistung Daniel Bartel im Tor des FC Berlin überlistet. Unmittelbar nach Wiederanpfiff war es zuerst der lange Menze, der das orangefarbene Leder zu seinem zehnten Saisontreffer im Gastgeber-Gehäuse versenkte (48.). Ein Fehler des FCB-Routiniers Mario Maek brachte Menze dabei in beste Schußposition. Nur sieben Minuten nach dieser Vorentscheidung ging Peter Közle mit einem steilen Paß von Jan Walle auf und davon, trieb das Arbeitsgerät fast über den halben Platz und ließ auch Bartel keine Chance - 0:3. Der ehemalige Bundesliga-Profi (MSV Duisburg, VfL Bochum) mit den Rastalocken wußte auch die Hauptursache für das meist überlegene Spiel seiner Mannschaft: "Auf diesem schweren Boden muß es richtig knallen!"Und Union ließ es knallen. FCB-Trainer Henry Häusler, tief enttäuscht ob der wenig couragierten Leistung seiner Männer, nannte es "den Schuß Rücksichtslosigkeit", den Union auf dem Schneeboden gezeigt habe. Közle befand, daß der Aufstiegskandidat Union dem spieltechnisch guten Gegner "total den Schneid abgekauft hat."Auch Trainer Fritz Fuchs schloß sich dieser Argumentation vorbehaltlos an: "Wir waren mutiger, zweikampfstärker und vor allem willensstärker." Für beide Mannschaften, die vor dem Spiel punktgleich nebeneinander in der Tabelle rangierten, ging es um sehr viel. Der Sieger kann sich nun wieder berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen, zumindest in Konkurrenz mit den Zweitliga-Absteigern VfB Leipzig und FSV Zwickau. Noch nie stand Union in dieser Serie so gut, wie nach dem klaren Erfolg gegen den alten Rivalen im Sportforum: Platz 3.Fritz Fuchs, der sich dank der Gelder von Michael Kölmel ("Kinowelt), der auch den Union-Aufsichtsrat führt, auf dem Transfermarkt reichlich bedienen konnte (vier Neuverpflichtungen), glaubt, daß seine Mannschaft endlich das Gesicht bekomme, das er ihr bei seinem Amtsantritt Anfang Oktober verpassen wollte. Fuchs verteidigt dabei sein kräftig rotierendes Personalkarussell: "In dieser Liga, die in der Spitze eine enorme Leistungsdichte besitzt, entscheidet letztendlich, wie gut die Einwechselbank bestückt ist. Ich brauche 18 möglichst gleichwertige Leute, um konkurrenzfähig zu sein."Von solchen Sphären scheint der FC Berlin, zu Saisonbeginn sogar Tabellenführer, zumindest derzeit weit entfernt. Trainer Häusler klagte über seinen kleinen Kader: "Ich habe nur elf, zwölf Leute, die auf einem ähnlich guten Niveau spielen können. Unions größeres Potential hat sich ganz einfach durchgesetzt."FCB-Präsident Volkmar Wanski befand, daß seine Spieler "schlechte Arbeit abgeliefert haben" und drohte Konsequenzen an: "Darüber wird noch zu reden sein."Wenigstens der Stadionsprecher behielt im Sportforum seinen Optimismus und rief ins Mikrofon: "Begleitet unseren FCB am kommenden Wochenende nach Erfurt. Dort locken drei Punkte."