Der 18-jährige Tim Zabel aus Weißensee wird voraussichtlich Ende dieser Woche aus der Augenklinik Marzahn entlassen. Dort liegt er seit vergangenen Mittwoch mit schweren Verbrennungen der Netzhaut. "Ob ich jemals wieder richtig sehen kann, bleibt unklar", sagte Tim Zabel der "Berliner Zeitung". Er hatte während der Sonnenfinsternis etwa 20 Minuten ohne Schutzbrille direkt in die "dunkle Sonne" geschaut. Schon kurz nach dem Naturschauspiel hatte er über unscharfes Sehen und starkes Augenflimmern geklagt. Sein Zustand hat sich seit der Sonnenfinsternis nicht geändert: Sein Sehvermögen beträgt nur noch etwa 20 Prozent. Bei einer Netzhautverbrennung werden die Sehzellen am Punkt der schärfsten Sehkraft, der Macula, zerstört. Der Patient kann dann nur noch Umrisse des fixierten Gegenstandes erkennen. "Alle Sachen, die ich genau anschaue, verschwinden einfach. Dann sehe ich nur noch einen weißen Fleck", sagte Zabel. Er könne zwar grelle Farben erkennen, allerdings keine Farbschattierungen unterscheiden. "Das liegt daran, dass sich in der Macula auch die Zellen, die zum Farben-Sehen benötigt werden, befinden. Ist diese allerdings zerstört, bleiben zu wenig Zellen übrig, um die Farben gut zu sehen", erklärt Augenarzt Werner Wyrobisch. Nach Angaben von Medizinern reichen ein bis zwei Minuten direkter Blick in die Sonne aus, um die Netzhaut zu verbrennen. Anders als nach dem Blick in den Lichtbogen eines elektrischen Schweißgerätes, empfinden die Geschädigten nach dem direkten Blick in die Sonne keine Schmerzen. "Das ultraviolette Licht des Elektrobogens führt zu einem schmerzhaften Sonnenbrand auf der Hornhaut. In der Mitte der Netzhaut befinden sich allerdings keine Schmerzrezeptoren", sagt Wyrobisch. Deshalb habe Tim Zabel auch keine Schmerzen gespürt."Blind werde ich auf jeden Fall nicht. Der Chefarzt hat mir gesagt, dass sich mein Zustand nicht verschlechtern kann", sagte Tim Zabel. Die Behandlung dauere aber noch mehrere Monate. Dazu muss er nach seiner Entlassung zwei Mal in der Woche zu Untersuchungen in die Klinik kommen. Außerdem müsse er noch lernen, mit der restlichen Netzhaut zu sehen. Um einen Gegenstand genau zu sehen, muss er daran vorbeischauen. "Ich werde erst mal für einen Monat krank geschrieben. Was dann passiert, weiß ich nicht", sagte Zabel. In seinem Beruf als Lagerist könne er aber wahrscheinlich nicht mehr arbeiten. "Ich kann nichts mehr lesen und in meinem Job muss ich auch am Computer arbeiten können", sagte Zabel. Sorgen um seine Zukunft mache er sich aber momentan noch nicht. Lediglich die eventuellen Forderungen seiner Berufsgenossenschaft und Krankenkasse könnten ihm noch teuer zu stehen kommen. Zabel befürchtet, dass die Versicherungen argumentieren, er habe absichtlich in die Sonne geschaut und bei Vorsatz übernehmen sie keine Behandlungskosten."Alle Sachen, die ich genau anschaue, verschwinden einfach. " Tim Zabel, Lagerist

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