Das Hofareal mit den von Efeu umrankten Häusern und bröckelnden Fassaden sieht aus wie ein verwunschener Garten: Steintreppen führen zu winzigen Springbrunnen hinauf, von der breiten Terrasse schaut man auf die Schönhauser Allee. Sträucher, Bauschutt und Herbstlaub bedecken den Boden, man muss sich durchkämpfen, um zu den einzelnen Häusern zu gelangen. Einige davon sind schon eingerüstet. Andere sind pinkfarben angemalt. Vorne hängt ein Schild, auf dem steht "Erfreu dein Herz". Der Pfefferberg war bis vor kurzem eine wichtige Adresse der Berliner Ausgehkultur. Der Veranstaltungsort mit Konzertsaal, Subground-Club, Goldmund-Lounge, Festivals und Sommergarten präsentierte viele wichtige Künstler. Hier trat der Reggae-Master Buju Banton auf, Dub-Vater Linton Kwesi Johnson oder Laurel Aitken, Natacha Atlas, die DJs Kruder und Dorfmeister, und kürzlich erst die famose britisch-französische Band "Stereolab". Die "Tanztage im Pfefferberg" und das Flamencofestival etablierten sich seit 1996 als feste Reihen und förderten junge Kunst, der "Subground" war ein in der Szene gefeierter Techno-Club und war zuletzt ein hervorragender Ort für Ska und Reggae.Ab Oktober macht der Pfefferberg dicht. Die 1841 als Brauerei "Pfeffer" gebaute, denkmalgeschützte Fabrikanlage an der Schönhauser Allee 176 wird bis Mai 2003 saniert und architektonisch umgestaltet. So lange bleiben die einundzwanzig Gebäude auf vier Gewerbehöfen - hier saß zu DDR-Zeiten eine Zeit lang die Außenstelle der "Poliklinik für Bauarbeiter" - geschlossen. Danach soll es den "neuen Pfefferberg" geben, mit marktwirtschaftlich ausgerichteten Verbindungen von Hoch- und Alternativkultur, mit Multi-Media-Standorten, Kunstexperimenten, und Edelgalerien und ebensolcher Gastronomie. 50 Millionen Mark sollen investiert und ein finanzkräftiges Publikum angezogen werden. Das alles freilich, ohne die Independent-Atmosphäre zu ersticken, für die der Ort bekannt ist. Wie das konkret wirken soll, ist im Moment allerdings nicht so ganz klar. Wolfgang Barnick, Vorstandsmitglied des Vereins "Pfefferwerk Stadtkultur", der seit 1990 den "Kulturstandort Pfefferberg" als gemeinnütziges und soziokulturelles Projekt betrieben hat, spricht von "neuen Nutzungskonzepten" mit vier "Kernbereichen", Kunst und Kultur, Neue Medien, Gastronomie und soziale Angebote. "Wie sich das im Einzelnen verhält, wird sich ergeben." Da gebe es Spielraum, in dem man sich gemeinsam mit den Investoren bewegen kann. 1999 kaufte die "Pfefferwerk Stadtkultur GmbH" die Immobilie. Die Sanierung stand auf dem Plan. "Die sanitären Anlagen sind in einem katastrophalen Zustand", sagt Barnick, "und die Genehmigung der Bauaufsicht endet auch zum Oktober." Eine Zeit geht zu Ende.Ein "Konglomerat" sei der Pfefferberg, meint Beate Gerboth vom Verein, auch Standort von Künstlerateliers, gemeinnützigen Projekten und einer Kita, eben mehr als nur Club und Konzertsaal. Seit Februar diesen Jahres ist bekannt, dass saniert werden wird. "Am Wochenende ist für uns Schluss", bedauert die PR-Frau. Was sie dann macht, weiß sie noch nicht, wie die meisten Pfefferberg-Mitarbeiter. Aller Melancholie zum Trotz wird heute und morgen gefeiert, mit Livemusik und Tanz in allen Sälen. Und eines noch: die Goldmund-Lounge geht bis Jahresende weiter.Pfefferberg-End-Party: Fr (u. a. Tambours de Brazza) und Sa (u. a. Di Grine Kuzine und The Transsylvanians), jeweils ab 22 Uhr.Infos im Internet unter www.pfefferwerk.de/bergBERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Nach elf Jahren Club- und Alternativkultur ist jetzt Schluss mit Tanz auf dem Pfefferberg.