San Francisco - Offensichtlich unter dem Druck amerikanischer Behörden hat ein großer Anbieter verschlüsselter E-Mail-Dienste dichtgemacht, der angeblich auch vom Informanten Edward Snowden genutzt wurde. „Ich sehe mich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu fällen - entweder mitschuldig an Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu werden oder zehn Jahre harte Arbeit aufzugeben und Lavabit zu schließen“, erklärte der Besitzer des E-Mail-Dienstes Lavabit, Ladar Levison, auf der Internetseite des Unternehmens. Er dürfe aber keine näheren Details nennen.

Auch Silent Circle schließt

Wenige Stunden später folgte auch der ähnliche Dienst Silent Circle seinem Vorbild. Alle Daten seien bereits vernichtet worden, sagte der Chef von Silent Circle, Mike Janke, der New York Times. „Wir dachten, es sei besser, Kritik von Kunden zu bekommen, als gezwungen zu werden, sie auszuhändigen.“ Silent Circle habe zwar noch keine Durchsuchungsbefehle oder andere Anfragen bekommen, wollte aber gerade deswegen handeln, solange es noch rechtlich möglich war.

Lavabit-Gründer Levison schlug sich dagegen nach eigenen Angaben sechs Wochen lang mit den US-Behörden herum. Nach seinen Erfahrungen würde er niemandem empfehlen, seine persönlichen Informationen einem Unternehmen mit „physischer Verbindung“ zu den Vereinigten Staaten anzuvertrauen. Laut Berichten wurde unter anderem eine Lavabit-Adresse für Einladungen zu einer Pressekonferenz von Snowden am Moskauer Flughafen Scheremetjewo benutzt.

Vorbereitung auf Gerichtsverfahren

Der Maulkorb für Lavabit könnte auf eine Anfrage der Behörden nach Nutzer-Informationen gemäß dem Auslandsspionage-Gesetz Fisa hinweisen. Solche Anfragen sind so geheim, dass noch nicht einmal ihre Existenz bestätigt werden darf. Er bereite die Unterlagen für ein Gerichtsverfahren „für einen Kampf für die Verfassung“ vor, schrieb Levison. Ein Sieg könne ihm ermöglichen, den Dienst neu zu starten.

Der US-Geheimdienst NSA will unterdessen mit allen Mitteln einen zweiten Fall Snowden verhinder. Deshalb soll die Zahl der Systemadministratoren in der Behörde um 90 Prozent reduziert werden. Das sagte NSA-Chef Keith Alexander nach Angaben des TV-Senders CNBC auf einer Sicherheitskonferenz in New York. Die Aufgaben sollten soweit wie möglich automatisiert werden, damit weniger Menschen in Kontakt mit sensiblen Informationen kämen. Die NSA beschäftigt derzeit rund 1000 Systemadministratoren.

Vier-Augen-Prinzip

Diese IT-Experten verwalten Computernetzwerke und haben damit weitreichenden Zugriff auf alle Daten, die über diese Netzwerke laufen. Snowden hatte selbst als ein solcher Systemadministrator gearbeitet.
NSA-Chef Alexander versucht seit dem Hochkochen des Skandals, Sicherheitslecks zu stopfen. So führte er das Vier-Augen-Prinzip bei sensiblen Informationen ein, also dass ein zweiter Mitarbeiter den Zugriff absegnen muss. Denn Snowden war es gelungen, Dokumente mit detailreichen Beschreibungen der US-Spionageprogramme mitzunehmen. (Reuters, dpa)