BERLIN, 14. Februar. Zoltan Illes ist ein Mann deutlicher Worte. "Das ist die schlimmste Umweltkatastrophe in Osteuropa seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl", sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses des ungarischen Parlaments am Montag in Budapest. Der Grund für Illes Erregung: Eine Giftflut, die in den ungarischen Flüssen Szamos und Theiß (Tisza) ein massenhaftes Fischsterben auslöste. Rund 80 Tonnen Fisch verendeten an einem Gift, das vor zwei Wochen aus einem Auffangbecken des Bergwerks "Aurul" im nordrumänischen Baia Mare austrat Zyanid. Bergleute nutzen den giftigen Stoff, um Gold aus dem Gestein herauszulösen. In der Umwelt hat das Gift jedoch schlimme Folgen. Zyanide blockieren den Sauerstofftransport im Blut. Die Folge: Tod durch Ersticken. Rund 100 000 Kubikmeter zyanidverseuchtes Abwasser waren in Rumänien ausgetreten. Über die Theiß schwappte das giftige Wasser in die Donau und erreichte am Montag Belgrad. "Die Folgen für die Umwelt sind noch nicht absehbar", sagte Erika Schneider vom Auen-Institut des WWF in Rastatt. Schneider koordiniert dort das Umweltprogramm "Blaue Donau". "Der Oberlauf der Theiß ist auf einer Länge von 300 Kilometern biologisch tot", meldete der Biologe Zoltan Varga von der Uni Debrecen nach Rastatt. Fischarten wie Stör und Huchen seien in ihrem Bestand gefährdet. Betroffen seien auch Wasservögel. Betroffen sind auch die diplomatischen Beziehungen zwischen Rumänien und Ungarn. Rumänische Behörden warfen den Ungarn vor, sie dramatisierten die Umweltkatastrophe. Daraufhin wurde der rumänische Botschafter ins Budapester Außenministerium zitiert. Am vergangenen Donnerstag trafen sich die Umweltminister beider Länder. Sie beschlossen, die Folgen der Katastrophe gemeinsam zu untersuchen und in Umweltfragen besser zusammenzuarbeiten. Noch immer rätseln die Experten über die genaue Giftmenge, die in den Flüssen nach Süden treibt. "Ein Schadstoff-Meldesystem wie am Rhein gibt es in Osteuropa nicht", kritisierte Claire Thilo vom Donau- und Karpaten-Institut des WWF in Wien. In der Kritik steht auch die australische Betreibergesellschaft der Goldmine. Die Cyanid-Methode, nach der die Firma Esmeralda Exploration in Rumänien arbeitet, ist in der EU verboten. Umweltpolitiker Zoltan Illes sprach in der vergangenen Woche von "Öko-Kolonialismus". Er forderte, die ungarische Regierung solle den australischen Konzern auf Schadenersatz verklagen. Ähnliche Schritte erwägt auch Serbien. (ptr.)