GUBEN. Die Gedenktafel für den zu Tode gehetzten Algerier Farid Guendoul, bekannt auch als Omar Ben Noui, ist kaum zu sehen. Ein Rosenstrauß und ein Strauß Nelken verdecken die Inschrift auf dem Stein in der Hugo-Jentsch-Straße in Guben (Spree-Neiße). Polizei ist nirgends zu sehen. Obwohl, wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Cottbus, Bernd Fleischer sagt, die Sicherung des Gedenksteins "im polizeilichen Alltag zu den Prioritäten zählt". "Wir fahren hier verstärkt Streife", sagt er. Mehr sei nicht zu machen. Die Gedenktafel für den Algerier, die schon sechsmal geschändet worden ist, sei doch ein Reizobjekt für die Rechten in der Stadt. Man könne schließlich nicht in die Köpfe dieser "Idioten hineinschauen. " Gerade, nachdem am Montag das Urteil im sogenannten Hetzjagdprozess gegen elf Angeklagte gefallen sei. "Ich glaube nicht, dass durch das Urteil so etwas wie Reue zu erkennen gewesen war", sagt Fleischer. Aber es sei schon erst einmal gut, dass es überhaupt ein Urteil gab.Gleich neben den Gedenkstein steht das Haus Nummer 14. Durch die Scheibe des Einganges zu dem fünfstöckigen Wohnhaus war der 28-jährige Asylbewerber im Februar 1999 auf der Flucht vor Rechtsradikalen gesprungen. Er hatte sich dabei so schwer verletzt, dass er im Treppenhaus verblutet war. Niemand öffnet heute in dem Haus. Die Leute in Nummer 14 sind daheim. Sie haben sich hinter den Gardinen ihrer Fenster verschanzt.Seit dem Ende des Prozesses sei das Medieninteresse für das Haus wieder sehr groß, sagt eine Frau aus dem Nachbaraufgang. "Die wollen doch auch bloß endlich ihre Ruhe", sagt sie. Zum Strafmaß gegen die Rechten befragt, zuckt sie nur mit der Schulter. "War doch zu erwarten, oder?" Klar hätte sie eine härtere Strafe besser gefunden, aber sie sei schließlich kein Gericht.In Ruhe gelassen werden will auch die Stadt, sagt André Lehmann von der Gubener Antifa. "Alles, was nach dem Tod des Asylbewerbers von seiten der Stadt herübergekommen sei, seien Lippenbekenntnisse. "Im August wurde die Gedenktafel für den Algerier letztmalig geschändet. Die Polizei hat die Tafel damals wegen der Spuren darauf mitgenommen", sagt Lehmann. Am Montag erst sei die Tafel wieder angebracht worden. "Wir haben immer darauf gedrängt, es früher zu machen", sagt er. "Die Stadt betreibt doch nur Imagepflege. Keine Gedenktafel - keine Schändungen durch die Rechten - keine schlechten Schlagzeilen für die Stadt", sagt Lehmann. "Die Tafel bedeutet doch in den Augen der Verantwortlichen nur Ärger. " Das sehe ein Großteil der Gubener ebenso.Gegen die Kritik der Antifa verwahrt sich Bürgermeister Gottfried Hain (SPD). Der Gedenkstein sei als Mahnung schließlich wichtig für die Jugend. "Guben wird aber nicht nur mit dem Tod des Asylbewerbers beschrieben", sagt er. Den Tod des Mannes müssten jene verantworten, die in den Kreis der Unbelehrbaren zählten. Guben habe auch noch andere Seiten. "Es gibt sehr viele Aktivitäten gegen Rechts. " Guben brauche ein positives Selbstbewusstsein. Hain weiß, dass mit dem Urteil gegen die elf Rechten, der Tod eines Menschen und das Leid für die Angehörigen nicht aufgewogen werden können. "Aber über das Urteil der Richter will ich nicht urteilen. Ich glaube, dass die Gesetze in diesem Falle ausgereizt wurden. " Zwei Jugendliche radeln an Farid Guendouls Gedenktafel vorbei. Es regnet und die Polizei hat sich immer noch nicht blicken lassen. Die Jungen bleiben mit ihren Fahrrädern kurz stehen und sagen. Schöne Blumen. ""Die Tafel bedeutet doch in den Augen der Verantwortlichen nur Ärger. " A. Lehmann, Antifa Guben