"Yabba.dabba-doo zum Abschied: Mit der Komödie "Famllie Feuerstein" gab das Kino "Jerboa an der Wilhelmstraße seinen Ausstand. Ob das modernste Filmtheater Im Bezirk wieder öffnet, ist ungewiß. Das Schicksal des zweiten Spandauer Bd. ten-Kinos wurde schon besiegelt: Das "Astra" schließt für immer.Bei ihrem Abzug aus Spandau hinterläßt die britische Armee nicht nur Kasernen, sondern auch zwei Filmtheater. Am 7. September erhält die 3. Luftwaffendivision der Bundeswehr die Schlüssel zum Stabsgebäude auf dem Flugplatz Gatow -- und damit zum Kino "Astra". Im Oktober kommt dann das "Britannia Centre" an der Wilhelmstraße In deutsche Hände. Zu dem Einkaufszentrum gehört das Prunkstück der beiden Spandauer Briten-Lichtspiele: das "Jerboa" -- zu deutsch Wüstenspringmaus. Seit dem 15. Juli ist das erst im FrÜhjahr 1991 eröffnete Kino geschlossen."Ein schönes Haus", schwärmt Lothar Giese, Liegenschaftsreferent der Oberfinanzdirektion Berlin, "250 Sitzplätze, stufenweise angeordnet und von unten belüftet, dazu eine große Bühne, die auch für Theateraufführungen genutzt wurde." Im Auftrag der Bundesbehörde wird das "Britannia Centre" kommenden Monat bundesweit angeboten. "Einkaufszentrum und Kino gibt es nur im Paket", so Giese. Das Interesse an dem Kino, das immerhin fast zwei Kilometer von der nächsten U-Bahn-Station am Rathaus entfernt liegt, sei gering. Während um zentral gelegene Ailiierten-Lichtspiele gleich mehrere Bewerber rangeln, habe es zum Wilhelmstädter "Jerboa" bisher nur eine telefonische Anfrage gegeben. Giese: "Ein Kinobetreiber wollte es pachten. Da dieses Haus jedoch keinem Bundeszweck dient, sind wir gehalten, es zu verkaufen."Die Yorck-Kino GmbH, einer der großen Filmtheaterbetriebe in Berlin, winkt ab. "Wir betrachten Spandau sehr zurückhaltend", sagt Mitgeseilschafter Knut Steenwerth. Der Bezirk sei ein "heißes Pflaster", seitdem United Cinemas international darüber nachdenkt, hier ein Multiplex-Kino mit 2 500 Plätzen zu bauen.Das zweite Spandauer Briten-Kino kommt nicht auf den Markt, sondern wird vom Bundesverteidigungsministerium übernommen und aller Voraussicht nach geschlossen. Das "Astra" liege mitten im Stabsgebäude auf dem Flugplatz Gatow, fast Tür an Tür mit der Stabsleitung, erläutert Oberstleutnant Udo Genth von der 3. Luftwaffendivision. Deshalb werde es der Öffentlichkeit wohl nicht zugänglich gemacht. Noch können bis zu 304 Zuschauer die Filme verfolgen, die der 40 Jahre alte Projektor siebenmal wöchentlich auf die Leinwand wirft. Am 26. August um 19.30 Uhr soll es die letzte Vorstellung geben. "Wir hoffen, daß wir noch bis zum 30. August bleiben können für vier Tage ,The Flintstones" , sagt "Astra"-Manager Tony Brown. So könnten die Feuersteins auch in Gatow das letzte Wort behalten.Blick in die Eingangshalle des "Jerboa". Das Kino war erst im Frühjahr 1991 eröffnet worden.