Die Musikerinnen der russischen Punkband Pussy-Riot sind wieder frei. Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa wurden Montag im Zuge einer Amnestie aus der Lagerhaft entlassen. Sie hatten 2012 mit ihrer Band in einer Moskauer Kirche ein Protestlied gegen Präsident Wladimir Putin gesungen und wurden wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Die 25-jährige Aljochina bezeichnete ihre Freilassung als PR-Gag Putins vor den Olympischen Spielen in Sotschi. Beide Musikerinnen kündigten an, sich künftig im Kampf für Menschenrechte zu engagieren. Die Entlassung der beiden stand eigentlich erst im März an. Nun kamen sie aufgrund eines in der vergangenen Woche vom Parlament verabschiedeten Amnestiegesetzes vorzeitig frei.

Aljochina: Habe vor nichts mehr Angst

„Russland ohne Putin“, rief eine entspannt wirkende, lächelnde 24-jährige Tolokonnikowa bei ihrer Freilassung im sibirischen Krasnojarsk aus. „Die Grenze zwischen frei oder nicht frei sein ist sehr schmal in Russland, einem totalitären Staat“, sagte sie. Künftig wolle sie sich für die Rechte von Gefangenen einsetzen. Sie hatte während ihrer Gefängniszeit mit einem Hungerstreik gegen die Haftbedingungen protestiert. „Es beginnt alles erst, also schnallen sie sich an“, sagte sie.

Wenige Stunden vor Tolokonnikowa war Aljochina in der Wolgastadt Nischni Nowgorod freigekommen. „Ich glaube nicht, dass es ein humanitärer Akt ist“, sagte sie dem TV-Sender Doschd. Aus Solidarität mit denen, die noch in den Gefängnissen säßen, hätte sie auf ihre Freilassung auch verzichtet, wenn es möglich gewesen wäre. Auch sie kündigte an, sich künftig für die Rechte von Häftlingen und für die Einhaltung von Menschenrechten einzusetzen: „Wir werden versuchen, unser Lied zu Ende zu singen“, sagte sie. „Glauben Sie mir, ich habe vor nichts mehr Angst.“ Ein drittes Mitglied der Gruppe, Jekaterina Samutsewitsch, war bereits im vergangenen Jahr freigekommen.

Regierungskritiker sehen die Amnestie zum 20. Jahrestag der russischen Verfassung als Versuch Putins, vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi Kritiker im Westen zu besänftigen. Es wird erwartet, dass die Amnestie auch verhindert, dass sich rund 30 wegen Rowdytums angeklagte Greenpeace-Aktivisten vor Gericht verantworten müssen. Sie hatten gegen Ölbohrungen in der Arktis demonstriert und sind gegen Kaution auf freiem Fuß. Menschenrechtlern zufolge dürften durch die Amnestie weniger als 1500 Häftlinge freikommen. Insgesamt sitzen Regierungsangaben zufolge 700.000 Russen in Gefängnissen ein.

Die Amnestie ist nach Worten Putins ein Zeichen dafür, dass der russische Staat ein menschlicher ist. Das Gesetz sei nicht mit Blick auf die Pussy-Riot-Musikerinnen oder die Greenpeace-Aktivisten verabschiedet worden, hatte er am Donnerstag auf seiner Jahrespressekonferenz erklärt. In Russland gebe es keine politischen Gefangenen.

Parallel zur Amnestie des Parlaments hatte Putin am Freitag den Regierungskritiker Michail Chodorkowski begnadigt, der sich inzwischen in Deutschland aufhält. Der 50-Jährige erklärte am Sonntag in Berlin, er werde nicht in die Politik gehen, sondern sich für die Freilassung politischer Gefangener einsetzen. (Reuters)