Von den 15 künftigen FDP-Parlamentariern im Abgeordnetenhaus werden drei dem nationalliberalen Flügel zugeordnet: Axel Hahn, Holger Krestel und Wolfgang Mleczkowski. In einer Ampelkoalition mit der SPD und den Grünen stünden sie ganz am rechten Rand.Axel Hahn lehnt zum Beispiel die europäische Gemeinschaftswährung Euro ab. Doch in der Breite einer Ampelkoalition sieht der 41-jährige Hahn, der Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Neukölln ist, keine Gefahr. "Natürlich werden wir im Vorfeld mit allen möglichen Partnern hart verhandeln. Aber wenn dann ein Koalitionsvertrag abgeschlossen wird, mit dem wir leben können, dann tragen ihn alle bei uns mit", kündigt er an.Mit dem Etikett "Nationalliberaler" hat Hahn keine Probleme: "Diese Bezeichnung steht für eine große Tradition. " Im Kaiserreich war die Nationalliberale Partei eine Stütze Bismarcks gewesen. Später habe Thomas Dehler, FDP-Parteichef von 1954 bis 1957, die Tradition fortgeführt - "und nach ihm ist immerhin unsere Parteizentrale benannt". Auch der frühere Generalbundesanwalt Alexander von Stahl, mit dem Hahn zusammengearbeitet hat, ist ein Vertreter dieses Flügels.Der Unternehmensberater freut sich, dass die Bundes-FDP den Patriotismus nun stärker akzentuiert: "Diese Debatte haben wir angeschoben. Ein Staat kann sich ohne ein Mindestmaß an Patriotismus nicht organisieren, ohne tragfähige Gemeinschaft nicht bestehen. " Zu Mauerzeiten gehörte er zu den Freidemokraten, die auf das Ziel Wiedervereinigung nicht verzichten wollten. Hahn: "Das hat uns viel Kritik eingetragen. Doch es hat sich gezeigt, dass dieses Ziel richtig war. " Einige Bezirksverbände galten als "Kampfplatz" zwischen den Parteiflügeln - auch Tempelhof-Schöneberg, der den 45-jährigen Holger Krestel für die Wahl aufgestellt hatte. Schlagzeilen machte der Spandauer Beamte aber bisher nicht.Mleczkowski, seit 1985 Chef der FDP Spandau, hat dagegen einigen Wirbel verursacht. 1994 lud er den rechtsaußen stehenden Manfred Brunner, damals Vorsitzender des "Bundes freier Bürger", zu einer Debatte ein. Der Unternehmer gehörte wie Hahn zu dem Flügel, der gegen Partei- und Fraktionschefin Carola von Braun stritt. Die Linksliberale trat 1994 zurück, nachdem parteiinterne Gegner verraten hatten, dass sie Friseurbesuche aus der FDP-Kasse bezahlt habe.Mleczkowski studierte an der HU Geschichte und zog 1976 von Ost- nach West-Berlin. Die DDR-Staatssicherheit stufte ihn als "geschworenen Feind des Sozialismus" ein. Zu seinen Lieblingsautoren gehört Alexander Solschenizyn, zu seinen Vorbildern Otto von Bismarck und Thomas Dehler. Wie Hahn steht auch der 58-Jährige zu seinem konservativen Gedankengut. 1995 unterschrieb er den umstrittenen Aufruf zum 8. Mai 1945 "Gegen das Vergessen". Darin wurde kritisiert, dass dieses Datum einseitig als Tag der Befreiung bezeichnet wird. Mleczkowski verwahrte sich aber dagegen, dass auch Rechtsradikale und "andere Spinner" unterzeichnen. 1996 stand der FDP-Mann vor Gericht. Vorwurf: Er habe es zugelassen, dass sich in seiner Wohnung ein Parteifreund an zwei 14-Jährigen verging. 1997 sprach ihn das Landgericht frei. Es sei nicht erwiesen, dass der Parteifreund das Zimmer von ihm zu diesem Zweck erhalten habe. (pn. )FDP Nach sechs Jahren Zwangspause werden Axel Hahn (l. ) und Wolfgang Mleczkowski wieder Abgeordnete.

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