Meistens weiße Hemden. Die sind einfach, sagt er und einfach ist gut. Mit denen ist man immer angezogen, und man kriegt sie schon für einen Zehner. Früher waren seine Klamotten bunt, heute sind es seine Bilder. Die werden immer knalliger. Türkis, orange, und rot. Wahrscheinlich ist der Berliner Milchhimmel daran schuld. Meistens grau, meistens suppig. Auch heute hängt wieder so einer über seinem Hinterhof. Friedrichshain, Bänschstraße, drei Treppen. Norbert Bisky wohnt hier. 28 Jahre alt, HdK-Student, Meisterschüler bei Georg Baselitz und natürlich Sohn des Vaters, Lothar Bisky, PDS. Aber das gehört so wenig zusammen wie Krankenpflege und Hollywood, sagt der Sohn. Auch wenn sie sich gern haben, seine Bilder im Büro des Vaters hängen und meistens alles gut war zwischen ihnen. Namen helfen Bildern nicht, und seiner kann ihn schon gar nicht dazu zwingen, sich auch politisch zu äußern. Das könnte er, sicher. Bis dahin muß reichen: Er kann intelligente Menschen gut leiden egal aus welcher Partei. Dumme machen ihn krank.Er hat diesen Weg, die Malerei. Und der entschied sich, als die DDR vorbei war, sich keiner recht kümmern konnte und er nur den Mut dazu haben mußte. Das Kunstlehrer-Studium an der Humboldt-Uni war es nicht, die Hochschule der Künste dann schon. Nazi-Kunst, murmeln manche, die sie seine Bilder heute sehen, sozialistischer Realismus meinen andere. Und immer muß alles politisch diskutiert werden, sagt er. Und kann nicht einfach sein, was es ist ein Bild. Für den einen gut, für den anderen schlecht. Wenn überhaupt, dann denkt er an Hockney, Matisse und Kippenberger, wenn er vor seiner Staffelei steht. Und daran, daß die Bilder gut sein müssen. Weil er irgendwann, in vielen Jahren, nicht mehr da sein wird, aber seine Bilder schon. Schon heute trifft er sie wie alte Bekannte. Im Büro eines Steuerberaters oder eines Immobilienmaklers. Zwischendurch wirft er den Blick in "andere Welten", weil es gut tut und er Geld braucht. Auch jetzt noch, immer wieder zwischendurch. Jobs auf dem Bau oder im Büro. Oder letztes Jahr am Pool des Schloßhotels Vier Jahreszeiten. Frische Handtücher hinlegen, Snacks servieren und sich von Bernd Eichinger zeigen lassen, wie man Weißbier richtig eingießt. Da ist mein Realitätssinn größer geworden, sagt Bisky, und er hat die Vorzüge des Reichseins entdeckt: Man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und ist von Alltagslästigkeiten befreit. Deshalb wird auch bei ihm so sein: Ein Haus im Norden, eins in der Sonne. Bis dahin bollert eben der Gamat-Ofen in der Küche. Und er malt weiter. Und weiß, daß er gut ist.Norbert Bisky, vom 14. April bis Anfang Juni in der Akademie für Kultur und Bildung in Mitte, Rungestraße 19.