Nazis in Europa: Spaniens Faschisten haben bei Wahlen keine Chance 15 000 gewalttätige Skins: Nur Francos Todestag ist noch geblieben

immer wieder sorgen alte und neue Nazis in Deutschland für Schlagzeilen. Doch das Wiederaufleben des Rechtsextremismus ist auch ein europaweites Phänomen. in einer Serie berichten wir über die "Nazis in Europa"Nach dem gescheiterten Putschversuch reaktionärer Offiziere vor 13 Jahren hat die extreme Rechte In Spanien nicht mehr Fuß fassen können. Die faschistischen Parteien sind zu bedeutungslosen Splittergruppen geschrumpft. Von Gewaltakten Rechtsradikaler ist aber auch Spanien nicht verschont geblieben.Als die Polizei Vicente G. in der Innenstadt von Valencia fand, lag der 3Ojährige zusammengeschlagen und mit tiefen Stichwunden in einer Blutlache. Auch sein Begleiter, ein Nordafrikaner, wurde schwer mißhandelt. Ihr "Vergehen": Der eine Mann war Ausländer, der andere mit ihm auf dem Weg in eine Bar.Nur wenige Tage später gingen die Schläger der Polizei ins Netz -- und mit ihnen eine bislang in Spanien unbekannte Nazigruppe mit dem Namen "Acción Radical".Keine offiziellen ZahlenNach den Erkenntnissen des Madrider Innenministeriums agieren Gruppen wie die Valencianische "Accción Radical" überwiegend auf lokaler Ebene. Ihre Mitgliederzahl übersteigt seiten 30 Mann. Sie kommen fast immer aus der Skinhead-Szene.Die spanische Polizei verzeichnete in den vergangenen Jahren einen drastischen Anstieg rechtsextremistisch motivierter Straftaten. Offizielle Daten über die von Neofaschisten verübten Verbrechen liegen dem Ministerium aber nicht vor. Sie werden von der Polizei unter "allgemeine Kriminalität" verbucht. Landesweit soll es rund 5 000 gewaltbereite Rechte geben.Auch Homosexuelle werden immer häufiger Opfer von Skinhead-Überfällen, sagt Cayetano Romero, Sprecher einer Madrider Bürgerrechtsvereinigung. Er wirft dem Innenministerium Untätigkeit vor. Die Behörde hat die für Rechtsextremismus zuständige Polizeiabteilung Ende der achtziger Jahre aufgelöst.Die beiden größten faschistischen Parteien, Frente Nacional und Juntas Espanolas, distanzieren sich offiziell von gewalttätigen Skinheads -- auch wenn viele ihrer nach eigenen Angaben rund 15 000 Mitglieder Glatzköpfe sind. Beide Gruppierungen beschränken sich auf das Verteilen von Flugblättern und das Kleben von Plakaten. Doch mit Parolen wie "Todesstrafe für Drogendealer" finden sie kaum Beachtung. Rechtsextremisten sind weder In den Regionalparlamenten noch im Landesparlament vertreten.Daß die Franco-Nostalgiker ein Schattendasein führen, ist auch den spanischen Medien zu verdanken. Zeitungen und Fernsehen boykottieren die faschistischen Parteien -- eine Berichterstattung über sie gibt es nur in Ausnahmefällen.Auch Deutsche sind dabeiDoch einmal im Jahr haben die spanischen Rechtsextremisten noch ihren großen Tag. Zum 20. November, dem Todestag Francos, marschieren Tausende in Madrid auf. Spaniens und Europas extreme Rechte ehrt den toten "Caudillo" und die Legion Condor. Im vergangenen Jahr waren auch Mitglieder der Republikaner und der NPD-jugend "Junge Nationaldemokraten" nach Madrid gekommen.Federführend bei diesen "internationalen Herbstveranstaltungen" ist der sich zum Nationalsozialismus bekennende "Spanische Kreis der Freunde Europas (CEDADE)" mit rund 1 500 Mitgliedern. Sein Vorsitzender, der Deutsch-Spanier Pedro Varela Geiss, versorgt Rechtsextremisten aus ganz Europa mit Propagandamaterial.Mit gestreckten Armen: Zwei Rechtsextremisten lassen sich durch die spanische Hauptstadt chauffieren. Foto: Reuter