Eine Gedenktafel für die Opfer des faschistischen Euthanasieprogramms wird am Freitag auf dem Gelände des Wilhelm-Griesinger-Krankenhauses enthüllt. "Wir wollen damit an die Patienten der Einrichtung erinnern, die Anfang der 40er Jahre im Zuge der Aktion zur Beseitigung lebensunwerten Lebens von den Nationalsozialisten ermordet wurden", sagt Chefarzt Hans Gutzmann. Das heutige Wilhelm-Griesinger-Krankenhaus war 1893 als "Anstalt für Epileptische Wuhlgarten bei Biesdorf" gegründet worden. Mit der Machtübernahme der Faschisten begann 1933 das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Klinik. 1940 hatten die vier psychiatrischen Anstalten Berlins rund 6 000 ihrer Patienten an die Euthanasiezentrale "T4" gemeldet. "T4" stand für Tiergartenstraße 4, wo die geistig oder physisch kranken Menschen erfaßt und ihre Ermordung geplant wurde. Von den 1 394 Wuhlgarten-Patienten überlebten nur wenige die Vernichtungsaktion. Die Masse wurde 1941 in speziellen Tötungsanstalten mit Gas umgebracht. Den Angehörigen wurde vorgegaukelt, die Kranken müßten zum Schutz vor Bombenangriffen in die Provinz verlegt werden. Insgesamt mehr als 70 000 Menschen starben bei der Euthanasieaktion.Die Gedenktafel auf dem Krankenhausgelände befindet sich in der Nähe der noch vorhandenen Reste der alten Bahngleise, über die die Transporte in die Tötungsanstalten führte. Im Anschluß an die Enthüllung findet ein Gottesdienst statt. Das Griesingerkrankenhaus war am 1. Januar 1997 mit der Klinik in Kaulsdorf zum Krankenhaus Hellersdorf fusioniert.