Der Vatikan ist Grundstücksbesitzer im Bezirk Neukölln geworden. In einem notariellen Akt hat das Erzbistum am Freitag dem Heiligen Stuhl ein Gelände direkt neben der Johannes-Basilika in der Lilienthalstraße übertragen. Auf dieser Fläche direkt an der Grenze zum Bezirk Kreuzberg entsteht bis zum Ende des Jahres 2000 die neue Botschaft des Oberhauptes der katholischen Kirche. Schätzungsweise 15 Millionen Mark kostet der Bau, in den Erzbischof Giovanni Lajolo, Apostolischer Nuntius in Deutschland, mit seinem Mitarbeiterstab einziehen will. Dafür wird das bisherige Haus der Nuntiatur in Bonn verkauft. Hilfe gibt es außerdem von der Deutschen Bischofskonferenz. Erzbischof Lajolo: "Selbstverständlich hoffe ich auch auf die großzügige Unterstützung privater Sponsoren." Baubeginn soll voraussichtlich Anfang 1999 sein. Alte Kirche wird Teil der Anlage Fest steht seit Freitag auch, wie das Domizil des Vatikan-Botschafters aussehen soll. Aus sieben Wettbewerbsbeiträgen hat sich das Sachpreisgericht, dem unter anderen der Nuntius und Berlins Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky angehörten, für den Entwurf des Münsteraner Architekten Dieter-Georg Baumewerd entschieden. Die Pläne des Architekten sehen einen fünfgeschossigen, hufeisenförmigen Bau mit repräsentativer Empfangshalle vor. Mit einer Höhe von 18 Metern bleibt Baumewerd unter der Traufhöhe der umliegenden Wohnhäuser halb so hoch wie die benachbarte Basilika. Die große Rosette der Kirche ist damit gut sichtbar und wird Teil der Anlage. Das Äußere des Hauses verkleidet der Architekt mit hellem Sandstein. In einigen Punkten wünscht sich der Nuntius Änderungen. So bekommt die geplante Kapelle ebenso einen anderen Standort wie Wohnräume der "Schwestern der christlichen Liebe". Die von Baumewerd entworfene Empfangshalle bezeichnet der Nuntius als "überdimensioniert". Als "unbegründet" weist der Vatikanbotschafter die Kritik der "Bürgerinitiative Hasenheide" zurück. Die Initiative befürchtet, wie berichtet, daß durch den Bau der Nuntiatur die Umwelt beeinträchtigt wird. "Die Sorgen haben wir sehr ernst genommen", so Erzbischof Lajolo. Entgegen der Ansicht der Bürgerinitiative bleibe aber der Zugang zur Hasenheide erhalten. Statt der vorgeworfenen vielen Baumfällungen müsse lediglich ein "kleiner, nicht alter Nußbaum" verpflanzt werden. Allerdings liegt beim ersten Preis der Anteil der Bodenversiegelung bei 61 Prozent einschließlich Zufahrt und Tiefgarage. Andere Entwürfe beginnen bei 24 Prozent. Eine Belastung der Anwohner durch mehr Verkehr und Polizei schließt der Botschafter ebenfalls aus. "Es sind gewöhnlich nicht mehr als ein Dutzend Wagen, die täglich die Nuntiatur anfahren", so Lajolo. Falsch sei die Annahme, die Nuntiatur würde ständig überwacht. Die frühere Apostolische Nuntiatur im Tiergartener Diplomaten-Viertel wurde nach Bombenschäden im Jahre 1945 später abgerissen. 1975 trat der Vatikan das Gelände in der Rauchstraße an das Bistum Berlin ab. Als das Land Berlin das alte Diplomatenviertel abreißen wollte, verzichtete das Bistum und verkaufte 1981 das Grundstück. Mit dem Vatikan vereinbarte die katholische Kirche, bei Bedarf für Ersatz zu sorgen. Beim Umzugsbeschluß schieden Alternativen zu Neukölln, in Kaulsdorf und Zehlendorf, wegen der Ferne zum künftigen Regierungsviertel, aus. Die Entwürfe sind vom 25. bis 28. Mai jeweils von 10 bis 15 Uhr ausgestellt: Kolpingwerk, Tempelhof, Götzstraße 65. Eine weitere Ausstellung ist nicht geplant.