In der Prozess-Serie gegen Mitglieder und Unterstützer der österreichischen Neonazi-Organisation „Objekt 21“ ist jetzt erstmals ein deutscher Rechtsextremist verurteilt worden. Der 28-jährige Thüringer Steffen M. muss wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und damit verbundener Straftaten für drei Jahre ins Gefängnis, entschied vergangene Woche das Landgericht in Wels (Oberösterreich). Es ist das achte Urteil gegen ein Mitglied von „Objekt 21“.

Steffen M. ist ein einschlägig vorbestrafter Neonazi aus dem Raum Gotha. Nach Informationen des Online-Portals Blick nach Rechts saß er zuletzt eine 30-monatige Haftstrafe ab. Das österreichische Gericht sprach den Thüringer schuldig, im Auftrag von „Objekt 21“ Einbrüche begangen zu haben und an einem versuchten Brandanschlag auf ein Bordell im Oktober 2011 in Wien beteiligt gewesen sein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Waffen und Sprengstoff gefunden

„Objekt 21“ gilt als die größte und gefährlichste Neonazi-Organisation seit Kriegsende in Österreich. In ihrem Domizil in Windern, einem Ort zwischen Linz und Braunau, fanden regelmäßig Treffen deutscher und österreichischer Neonazis statt. Ende Januar 2013 war die Gruppe zerschlagen worden. Bei Razzien in österreichischen Bundesländern wurden Waffen und Sprengstoff gefunden. Auch in Thüringen konnten die Ermittler Waffen sicherstellen, darunter Sturmgewehre und Maschinenpistolen.

Steffen M. ist Musiker in der Rechtsrock-Band „Sonderkommando Dillinger – S.K.D.“, die sich nach einem für viele Kriegsverbrechen verantwortlichen SS-Sonderkommando benannt hat. Auch der Frontmann der Band, Thomas W., sitzt derzeit in Thüringen in Untersuchungshaft. Er gilt als einer der Drahtzieher des Neonazi-Überfalls auf eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt Anfang Februar, bei dem zehn Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Die Ermittlungen in diesem Fall sind mittlerweile auf insgesamt 17 Beschuldigte ausgeweitet worden. Das hatte Thüringens Innenminister Jörg Geibert vergangene Woche bekanntgegeben.

Bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für Thüringen wies Geibert darauf hin, dass die Anzahl der rechtsmotivierten Straftaten im Freistaat 2013 zwar leicht auf 1083 gesunken sei; dafür habe sich aber die Zahl von rechtsextremistischen Gewalttaten im Vergleich zu 2012 verdoppelt – auf 49 Taten mit insgesamt 50 Opfern.