BERLIN, 2. November. Die Fotos stammen aus besseren Tagen. Breit grinsend posiert auf ihnen Mirko Hesse mal mit Maschinenpistole, mal mit Armbrust vor dem Banner der rechtsextremen Blood & Honour-Organisation. Inzwischen hat die 28-jährige Frohnatur nicht mehr viel Anlass zur Freude. Seit Juli 2001 sitzt Hesse im Gefängnis. Zwei Haftstrafen von insgesamt vier Jahren muss er verbüßen, und eine dritte kommt wohl bald hinzu. Denn Mirko Hesse war Boss und Gründer der Sächsischen Hammerskins. Wenn jetzt Anklage gegen die elitäre Nazigruppe erhoben wird, dürfte sein Name ganz oben auf der Beschuldigtenliste stehen.Für die Verfassungsschützer brechen dann wieder peinliche Zeiten an. Denn Mirko Hesse war nicht nur eine der ganz großen Nummern in der rechtsextremen Musikszene Ostdeutschlands, der jahrelang erstaunlich unbehelligt schalten und walten konnte; er war auch eine der Top-Quellen des Verfassungsschutzes in der Neonazi-Bewegung.Ob Hesse seinen unaufhaltsamen Aufstieg zum rechten Superstar auch der Unterstützung des Verfassungsschutzes verdankt, ist bislang nicht aufgeklärt. Fest steht aber, dass in einem Prozess gegen die Hammerskins genau diese Frage von den Verteidigern auf die Tagesordnung gebracht werden wird.Der aus Langburkersdorf bei Neustadt stammende Hesse hatte 1997 seine Firma Hate Records angemeldet. Mit Fördergeldern des Freistaats Sachsen und der EU - insgesamt 13 000 Mark - baute er sein Unternehmen schnell zu einer der zentralen Vertriebsorganisationen rechtsradikaler Nazirock-CDs aus. Gemeinsam mit ausländischen Partnern schmuggelte er Zehntausende von indizierten Platten quer durch Europa.Produzent von Hass-CDs.Außer als Dealer verbotener Musik-CDs agierte Hesse auch als Mitproduzent von Platten deutscher Nazirocker. So war er beispielsweise maßgeblich an der Herstellung der Hass-CD "Ran an den Feind" der deutschen Nazi-Rockband Landser beteiligt. Auf dieser Platte rufen die Landser - ihnen wird derzeit vor dem Berliner Kammergericht der Prozess gemacht - zum Mord an Juden und Ausländern sowie zur Tötung von Verantwortlichen der Wehrmachtsausstellung auf.Auch die Platte "Noten des Hasses" der Naziband White Aryan Rebels hat Hesse produziert. Auf dieser Platte wird zum Mord an Michel Friedman und an der CDU-Politikerin Rita Süssmuth aufgerufen.Neben seiner finanziell sehr einträglichen Tätigkeit als Musikproduzent und CD-Schmuggler fand Hesse genug Zeit, die Sächsischen Hammerskins aufzubauen. 1993 hat er die Gruppe gegründet. Kurz zuvor war die rechtsextreme Nationale Offensive, der Hesse angehört hatte, verboten worden.Unklar ist, in welchem Zeitraum Mirko Hesse mit dem Verfassungsschutz kooperierte und welche kriminellen Aktivitäten er unter den Augen oder gar mit stillschweigender Billigung seiner Verbindungsleute ausführte. Hesse selbst schweigt eisern über seine Kontakte zu dem Geheimdienst. Auch der Verfassungsschutz zeigt keine Neigung, die dubiose Liaison mit dem kriminellen Spitzel aufzuklären."Stürmt den Reichstag, räuchert sie aus, macht der Rattenbande den Garaus. " Aus einem Landser-Song