Die beiden Angeklagten hatten gestern vor dem Landgericht in Neuruppin nicht noch einmal das letzte Wort ergriffen. Auch an den elf Verhandlungstagen zuvor war kein Wort der Reue über ihre Lippen gekommen. Die beiden 19 und 22 Jahre alten Angeklagten machten stets einen emotionslosen Eindruck.Auch als der Vorsitzende Richter Gert Wegner gestern Abend in dem Prozess um den Mord an dem 55-jährigen arbeitslosen Bernd K. das Urteil gegen die beiden Neonazis aus Templin fällte. Der 19-jährige Sven P. wurde wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von zehn Jahren verurteilt - das Höchstmaß im Jugendstrafrecht. P. hatte aus Mordlust gehandelt. Er wolle einen Menschen sterben sehen, hatte er bei der Tat gesagt.Der Mitangeklagte Christian W. muss wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen für neun Jahre und drei Monate hinter Gitter. Er kannte Bernd K. schon länger, hatte mit ihm öfter getrunken, gar eine Art freundschaftliche Beziehung gepflegt. Christian W. habe mit der Tat eine "erstaunliche Menschenverachtung an den Tag gelegt", so der Richter. Zumindest bei der Auswahl des Opfers, einem als minderwertig abgestempelten Alkoholiker und arbeitslosen Mann, habe das neonazistische Menschenbild der Angeklagten eine Rolle gespielt.Bernd K. starb in der Nacht zum 22. Juli 2008. Er und die Angeklagten tranken an jenem Abend auf dem Marktplatz von Templin und gingen dann in die Tischler-Werkstatt von Bernd K. In dem Raum ohne Wasser und Strom schlief der Mann, wenn es Streit gab zu Hause. In der Werkstatt sei er erschöpft auf den Boden gesunken. "Die Augen fielen ihm im Vollrausch zu", sagte Wegner.Dann begann das "schreckliche Geschehen, das Unfassbare". Sven P. habe den Mann mit "steh auf du Drecksau" angebrüllt. Dann trat er zu - zweimal mit voller Wucht von oben auf das Gesicht von Bernd K. Als der Mann aufschrie, begann Sven P. "erst richtig mit den Misshandlungen", so Wegner. Er trat mehrfach auf den Oberkörper und das Gesicht des wehrlosen Mannes ein. Blut spritzte bis an die Wände.Christian W., der zugegeben hatte, zumindest zweimal zugetreten zu haben, versuchte lediglich verbal, seinen Kumpanen von der Gewalttat abzuhalten. "Mehr hat er nicht getan", sagte Wegner. Erst als Bernd K. nur noch röchelt, und Sven P. seinem Opfer die Kehle mit einer zerbrochenen Bierflasche aufschlitzen wollte, zog Christian W. den Mitangeklagten weg. Bernd K. starb an den schweren Kopfverletzungen. Die Täter verließen die Werkstatt, tranken auf dem Markt noch ein Bier und kehrten dann an den Tatort zurück.Wer den Müll über den bereits toten Bernd K. ausgekippt und dann versucht hat, die Leiche anzuzünden, konnte laut Wegner nicht ermittelt werden. Mit seinem Urteil folgte das Gericht nur bei Sven P. der Forderung der Staatsanwaltschaft. Bei Christian W. blieb das Gericht weit darunter. Die Anklagebehörde hatte für den 22-Jährigen eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. Man habe dem jungen Mann nicht mehr nachweisen können, als er zugegeben hat, begründete Richter Wegner. Nur Christian W. hatte ein Teilgeständnis abgelegt und darin seinen Mitangeklagten schwer belastet. Sven P. hatte zu den Tatvorwürfen stets geschwiegen.Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Für Waltraud K. ist es schon jetzt kein gerechtes Urteil. "Auch Christian W. hätte wegen Mordes verurteilt werden müssen. Er hat lebenslänglich verdient", sagte die 64-jährige Schwester des Opfers.------------------------------"Den beiden Angeklagten fehlt das Empathievermögen." Gert Wegner, Richter

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