Seine Pläne sind eigentlich immer für die Katz. Schon seit drei Jahren will Herbert Feuerstein im Sommer keine Engagements annehmen und ein Buch schreiben. Ist auch diesmal wieder nichts geworden. Und im Oktober wollte er frei machen und sich um seinen Umzug kümmern: "Ich habe mir mit meiner Frau endlich eine Zweitwohnung in Berlin genommen." Aber plötzlich hat der 72-Jährige doch wieder zu tun. Er konnte dem beharrlichen Charme von Regisseurin und Produzentin Brigitte Grothum nicht widerstehen, die ihn unbedingt für ihre "Jedermann"-Festspiele im Berliner Dom haben wollte. Und so wird Feuerstein vom 15. bis zum 25. Oktober im Dom den Teufel spielen. Keine große Rolle. Er kann also nebenbei gut die Wohnung hinter dem Theater am Kurfürstendamm einrichten und die Gegend erkunden.Niemand musste Herbert Feuerstein erklären, worum es sich beim "Jedermann" handelt: "Ich bin als Salzburger ,Jedermann'-infiziert. Damit wächst man dort auf, ständig hört man die auf dem Domplatz schreien." Das Stück, das mancher ziemlich verstaubt findet, kommt ihm dagegen aktuell vor: "Im ,Jedermann' gibt es eine Parallele zu den Banken. Da haben auch alle gedacht, die holt der Teufel. Und nix war's!""Lechz", "stöhn", "würg"Als sein Lebenswerk hat Feuerstein mal die Einführung von "lechz", "stöhn", "würg" und "hechel" in die deutsche Sprache bezeichnet. Er meinte damit seine zwei Jahrzehnte als Chefredakteur des Blödel-Magazins Mad, das er bis 1991 leitete. "Wir hatten die Oberschüler fest im Griff", erzählt er. Allerdings nur im Westen. Feuerstein: "Im Osten war Mad nicht erlaubt, weil unsere Titelfigur Alfred Neumann hieß. Wie ein Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED." Angesprochen wird er auch nach so vielen Jahren auf Mad, wie er stolz anmerkt: "Ich höre heute noch: Sie haben meine Kindheit verdorben. Oder: Sie haben den Virus der Verarschung in mir gepflanzt."Berühmt wurde Feuerstein jedoch durch das Fernsehen. Seine "Schmidteinander"-Sendungen mit Harald Schmidt umweht inzwischen der Hauch des Legendären. Ohne "Schmidteinander" und seine anderen TV-Auftritte wäre Feuerstein heute nicht so ein gut gebuchter Künstler.Gerade synchronisierte Herbert Feuerstein den Vater eines Discowurms in dem Kinofilm "Sunshine Barry und die Discowürmer", der Ende Oktober in die Kinos kommen wird. Und sogar in dem Beruf, den er ursprünglich mal ergreifen wollte, darf er endlich arbeiten: Feuerstein moderiert, Feuerstein gibt den Erzähler bei Konzerten. Für einen abgebrochenen Musikstudenten des Salzburger Mozarteums (er wurde rausgeworfen, weil er in einer Musikkritik im Lokalblatt den Hochschulpräsidenten beleidigt hatte) brachte er es weit. "Die Reihe mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin soll weitergehen. Es werden schon Termine gehandelt, die weit über meine Lebenserwartung gehen. Da muss man Vorschuss kassieren, denn da hat die Witwe mehr davon."------------------------------Foto: Abgebrochener Musikstudent mit später Karriere: Herbert Feuerstein.