Neue Botschaft wird in wenigen Tagen eröffnet: Vorn spielt Wagner, hinten tanzen Südafrikaner

Auf den ersten Blick ist die neue südafrikanische Botschaft an der Tiergartenstraße 18 ein funktionaler, viergeschossiger Flachbau, der mit Südafrika nicht viel gemein zu haben scheint. Doch auf den zweiten Blick erschließen sich anhand von Formen, Farben und Materialien viele Anspielungen auf das Land an der Südspitze Afrikas. Seit August ist der neuneinhalb Millionen Euro teure Bau fertig, Botschafter Sibusiso Bengu arbeitet seit fünf Wochen hier. Es ist der erste Botschaftsneubau Südafrikas seit 27 Jahren. Am 14. November wird er offiziell eröffnet. Entworfen hat die Botschaft das südafrikanische Architekturbüro mma architects. "Wir wollten Südafrika nicht durch das Aussehen des Gebäudes, sondern durch die verwendeten Materialien darstellen", sagt Luyanda Mpahlwa, einer der Architekten. Und so dominieren fünf Bauelemente, die traditionell in Südafrika verwendet werden: Stein, Metall, Putzreliefs, Holzschnitzereien und Flechtwerk. Den Sockel des Gebäudes kleidet Granit, darüber gelber Sandstein. Der Zaun wurde aus Roststahl geschweißt und der Aufzugschacht ist mit noppenverziertem Aluminium verkleidet. "In Südafrika hätte man die Noppen jemanden mit dem Hammer reinschlagen lassen. Hier sind die Lohnkosten so hoch, dass wir auf ein industrielles Produkt zurückgegriffen haben", sagt Architekt Alun Samuels. Die Materialien wurden nicht nur ihrer Herkunft wegen verwendet, sondern dienen auch der Verzierung, die zu jedem südafrikanischen Haus gehört. Zwei Säulen sind mit bunten Putzornamenten versehen, die man auch im inneren Treppenhaus findet. Die Wengéholz-Türen, die in den Konferenzraum führen, zieren Holzschnitzereien und eine Art Paravent, der über die Stockwerke in die Höhe ragt, verbirgt hinter seinem Geflecht aus Stahl und Holz den Blick auf die Toilettentüren. Herz des Hauses ist ein 180 Quadratmeter großes, lichtdurchflutetes Atrium, um das herum die Arbeitszimmer angelegt sind. Der metallene Sonnenschutz in der Kuppel erinnert an den Reichstag, ist aber dem Dach traditioneller afrikanischer Hütten nachempfunden. Die Architekten wollten mit dem Gebäude nicht nur auf Südafrika anspielen, sondern das Haus auch mit seiner Umgebung in Bezug setzen. Die Botschaft steht gegenüber dem von Gustav Eberlein geschaffenen Richard-Wagner-Denkmal. "Wagner spielt vorn, hinten tanzen die Südafrikaner", erklärt Mpahlwa die Beziehung zwischen dem Wagner-Denkmal und der Skulptur "Prayer for peace" eines südafrikanischen Künstlers, die im Garten der Botschaft steht. Die südafrikanische Regierung musste von dem transparenten Konzept der Architekten erst überzeugt werden. Botschafter Bengu ist mit seiner neuen Arbeitsstätte sehr zufrieden. Ihm gefällt, dass das Gebäude offen und hell ist. Dank der transparenten Bauweise könne er sehen, welche Angestellten zu spät zur Arbeit kommen, sagte er. Am Sonntag, 16. November, kann die Botschaft von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Die neue südafrikanische Botschaft: Glas sorgt für Transparenz, traditionelle Kunst, wie das Putzrelief im Treppenhaus, erinnert an Südafrika. Alle Räume gruppieren sich um ein lichtdurchflutetes Atrium.