Wissenschaftler haben mit einer Studie nachgewiesen, daß einfache Griinlllien Schadstoffe wie Formaldehyd aus der Luft filtern.~Gegen jedes Übel ist ein Kraut gewachsen", sagt der Volksmund. Und die Mitarbeiter des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Oberschleißheim geben ihm recht. In einer gerade fertiggestellten Studie weisen sie nach, daß ausgerechnet die Grunlille, die in unzähligen Büros ein wenig beachtetes Dasein führt, einen Schadstoff wie Formaldehyd aus der Luft filtert und in Naturstoffe umwandelt.Alarmierende Daten Dreiviertel aller Patienten, die eineri Arzt aufsuchen, sind -- so muß vermutet werden -- unter anderem auch durch hohe Glftkonzentration in Büro oder Wohnung erkrankt. Zu diesem Ergebnis kam Anfang 1994 die Umweltambulanz in Lübeck nach der Untersuchung von Häusern.Ein Gutachten des Bundesgesundheitsamtes hat zudem festgestellt, daß die Zimmerluft bis zu 50mal schlechter sein kann als die mit Abgasen, Schadstoffen und Ozon belastete Luft im Freien. Dabei steht das farblose, stechend riechende Gas Formaldehyd, das manchmal aus Spanpiatten, Teppichböden und Textilien entweicht, im Verdacht, Allergien und Krebs auszulösen.Die GSF-Forscher um Professor Dr. Heinrich Sandermann haben nach natürlichen Auswegen gesucht. Sie begasten Grunlilien mit unterschiedlich hohen Konzentrationen Formaldehyd. Zwischen 0,1 und zehn Milligramm pro Kubikmeter lagen die Werte und damit im oder über dem Bereich von 0,1 ppm, den das Bundesgesundheitsamt als Innenraum-Grenzwert nennt. Das Ergebnis: Pro Stunde wurden 0,1 Mikrogramm Formaldehyd von einem Gramm Frischgewicht der Grünlille aufgenommen und in ungefährliche Stoffe umgewandelt. Insgesamt 40 Prozent des Gifts waren aus der Luft verschwunden. Die Forscher vermuten, daß damit die Kapazität der Pflanzen noch nicht erschöpft ist."Allerdings haben wir die Tests bisher nur im Labor durchgeführt", sagt Projektleiter Dr. Christian Langebarteis. "Die nächsten Studien wollen wir unter echten Burobedingungen ausarbeiten sowie noch andere Pflanzen testen. Wir sind sicher, daß alle Pflanzen, die rasch wachsen, ähnlich günstige Voraussetzungen bieten."Einen Schritt weiterSchon heute sind die GSF-Forscher einen Schritt weiter gegangen als der amerikanische Wissenschaftler Bill Wolverton, der 1989 in einer NASAStudie erstmals den Beweis erbrachte, daß Zimmerpflanzen in der Lage sind, Schadstoffe abzubauen. Sein Manko: Er ließ die Frage offen, ob die Pflanzen das Gift absorbieren oder in unschädliche Stoffe umwandeln. Zudem führte er seine Tests nur mit extrem hohen Formaldehydkonzentrationen durch.