Es gibt sie tatsächlich, die Ingenieurinnen, die Luft- und Raumfahrttechnikerinnen, die Elektronik-Professorinnen. Irgendwo da draußen in Universitäten und Betrieben sind sie zu finden, die weiblichen Fach- und Führungskräfte im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz nach den Initialen der Fächer Mint genannt.Viele sind es nicht, etwa elf Prozent in den Ingenieurberufen insgesamt. Schülerinnen tun sich bei der Entscheidung für ein technisches Studiums nach wie vor schwer. "Das Image der Ingenieurberufe und der entsprechenden Studiengänge ist nicht so, dass sich die Mädchen vorstellen können, dass das auch etwas für sie ist", erklärt Barbara Schwarze, Professorin für Gender und Diversity Studies an der Hochschule Osnabrück. Und: Die jungen Frauen wissen oft nicht so recht, was Ingenieure eigentlich machen. Hier setzen einige Orientierungshilfen für Schülerinnen der Oberstufe beziehungsweise Abiturientinnen an.Probiere es aus! So ermuntert das Projekt "Try it!" in einem viertägigen Technik-Workshop Schülerinnen der neunten bis 13. Klassenstufe. Die Mädchen machen Experimente, ein Berater erläutert Studiengänge, Studentinnen verschiedener Fachrichtungen berichten von ihren Erfahrungen. In Unternehmensbesuchen lernen sie die Arbeitswelt von Ingenieurinnen kennen. "Es geht darum, dass die Mädchen die Faszination der Technik vor Ort erleben können", sagt Studienleiterin Martina Battistini von Femtec, die die Workshops organisiert. "Ingenieurinnen berichten den jungen Frauen über die vielfältigen Tätigkeitsfelder und Berufsbilder. So sehen die Mädchen, dass sie sich durch ihre Studienwahl nicht schon für ihr ganzes Leben festlegen."Bei der Entscheidung hilft auch eine gute Selbsteinschätzung. Hierbei unterstützt die Initiative "Taste Mint" Schülerinnen der gymnasialen Oberstufe. Passt ein Studium in einem Mint-Fach zu mir? Nach dem dreitägigen sogenannten Potenzial-Assessment-Verfahren fällt die Antwort leichter. Die Teilnehmerinnen erhalten für den Bereich typische Aufgaben, die sie allein oder im Team lösen müssen. Dabei werden sie von fachkundigen Beobachterinnen begleitet. "Untersuchungen zeigen, dass die jungen Frauen ihre Fähigkeiten selbst schlechter einstufen, als sie tatsächlich sind. Kaum ein Mädchen mit einer Drei in Mathe hält sich für geeignet, ein technisches Studium zu ergreifen. Für Jungen ist das kein Problem", sagt Taste Mint-Projektleiterin Annemarie Cordes. "In Einzelfeedbackgesprächen bekommen die Schülerinnen ein realistisches Selbstbild. "Kontakte knüpfen -untereinander, zu Universitäten und zu Unternehmen -das steht auch im Mittelpunkt zweier mehrmonatiger Angebote, die Theorie an der Hochschule und Praxis im Betrieb miteinander verbinden, und zwar vor dem Studium. "Pro Technicale" nennt sich eine zehnmonatige Orientierungsphase für Abiturientinnen, die erstmals im September starten soll. Neben fachlichen Inhalten aus Luft- und Raumfahrttechnik und erneuerbaren Energien stehen auch Philosophie und Persönlichkeitsbildung, technisches Englisch und eine Schreibwerkstatt auf dem Stundenplan. Hinzu kommen mehrwöchige Phasen an den Universitäten Stuttgart und Konstanz sowie mehrere Praktika in Unternehmen der beiden Branchen. "Wir wollen Unschlüssigen die Chance geben, sich für Technik zu begeistern", beschreibt Initiator und Leiter Manfred Kennel die Zielrichtung der Initiative. Dieses Angebot hat allerdings seinen Preis: Pro Monat entstehen Unkosten von 760 Euro, dazu kommt unter Umständen die Unterbringung. Doch es gibt Stipendien, und die Chancen bei deren Vergabe seien "nicht unerheblich", so Kennel.------------------------------Technik zum AusprobierenTry it!Die Workshops stehen Mädchen aus dem ganzen Bundesgebiet offen und finden im Frühjahr und Herbst in Berlin statt. Teilnahme und Unterbringung sind kostenlos. Informationen im Netz:www.femtec.orgTaste MintZahlreiche Termine an 16 Hochschulen in ganz Deutschland. Nächster Termin im Berliner Raum an der Universität Potsdam, vom 20. bis zum 22. Juni. Tel. 0331/977 17 47. www.tastemint.dePro TechnicaleMöchte Mädchen für Luft- und Raumfahrt begeistern und bietet Praktika in internationalen Unternehmen. Bewerbungsschluss: 30. Mai. Eine Verlängerung ist auf Antrag gegebenenfalls möglich.www.protechnicale.de------------------------------Foto: Wie kann so ein Ding fliegen? Diese Frage könnte immer mehr Mädchen beschäftigen.