Wenn Kinder sehr früh in die Krippe kommen, kann das später mit einem erhöhten Risiko für Aufmerksamkeitsstörungen einhergehen. Diesen Verdacht legen zwei Studien nahe, die im Fachblatt Allergy erschienen sind. Zunächst berichtete dort ein Team um die Düsseldorfer Umweltmedizinerin Claudia Cramer, dass Krippenkinder im Vergleich zu anderen Mädchen und Jungen in den ersten zwei Lebensjahren ein anderthalbfach erhöhtes Risiko tragen, ein Ekzem zu bekommen. Die Forscher nutzten Daten der noch laufenden Geburtskohortenstudie "LISAplus". Im Fokus standen dabei 3097 Kinder in Ost- und Westdeutschland.Häufiger EkzemeDie Forscher wollten wissen, warum Kinder in Ostdeutschland bis zu ihrem sechsten Lebensjahr häufiger an Ekzemen leiden als in Westdeutschland. Nachdem andere Faktoren wie Genetik, Verkehrsbelastung und soziale Verhältnisse herausgerechnet worden waren, blieb als Faktor die Krippe, die die ostdeutschen Kinder häufiger besuchten als die westdeutschen. "Krippenbetreuung ist mit einem erhöhten Risiko für eine Ekzembildung verbunden", lautete das Fazit der Forscher. Möglicherweise spiele der erhöhte Stresspegel eine Rolle."Man weiß heute, dass neben immunologischen Faktoren auch Störungen der Hautbarriere eine wichtige Rolle bei der Entwicklung eines Ekzems spielen", sagt Studienautorin Claudia Cramer vom Arbeitsbereich Epidemiologie des Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf. Auch die Psyche und emotionaler Stress seien von Bedeutung für die Entwicklung eines Ekzems und dessen Verlauf.Die Studie, so die Autorin, befinde sich im Einklang mit einer schwedischen Untersuchung, die bei ein- bis sechsjährigen Kindern zu dem gleichen Ergebnis gekommen sei. Im März veröffentlichte dann ein Team um den Dresdner Dermatologen Jochen Schmitt ebenfalls in Allergy eine Studie auf Basis derselben Geburtskohorte, die auch die Düsseldorfer Kollegen genutzt hatten. Ergebnis: Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren wegen juckender Ekzeme schlecht schliefen - der Düsseldorfer Studie zufolge waren dies vor allem Krippenkinder -, neigten als Zehnjährige stärker zu Hyperaktivität.Dies könnte womöglich erklären, weshalb ADHS bei ostdeutschen Kindern, vor allem bei den Jungen, häufiger auftritt. Denn analog zur Ekzemhäufigkeit und stärkeren Krippennutzung kommen im Osten einer 2007 veröffentlichten Studie der Universität Halle zufolge auf 100000 Einwohner 25,3 ADHS-Jungen, im Westen dagegen nur 8,7.